Ein Mann, der seine Tochter zu Tode geschüttelt haben soll, sitzt in einem Saal des Hamburger Landgerichts. © picture alliance/dpa Foto: Georg Wendt

Prozess um Tod eines Babys: Angeklagter spricht von Unfall

Stand: 08.12.2021 13:02 Uhr

Im Prozess um den Tod eines Babys hat der angeklagte Vater vor dem Hamburger Landgericht eingeräumt, seine Tochter kurz geschüttelt zu haben. Das sei aber in Folge eines Unfalls geschehen, sagte der 30-Jährige am Mittwoch.

Der Mann schilderte am zweiten Prozesstag seine Version des Geschehens vom 15. Mai: Er sei mit dem Säugling auf dem Arm im engen Badezimmer über die Babybadewanne gestolpert und mit dem Kind hingefallen. Seine Tochter habe dabei eine Beule am Kopf erlitten. "Sie hat sich nicht wirklich geregt, sie hat Schnappatmung gehabt." Er sei in Panik geraten und habe das Kind ein paar Sekunden geschüttelt. "Ich weiß nicht, was mich da geritten hat." Der Angeklagte sprach vor Gericht auffallend ruhig und gefasst, während die Mutter des Kindes am anderen Ende der langen Tischreihe weinte.

Mädchen erlitt Schädelfraktur

Das Baby war Mitte Mai mit schweren Kopfverletzungen in ein Krankenhaus gebracht worden. Eine Woche später starb das zwölf Wochen alte Kind. Es wurde ein Schütteltrauma-Syndrom festgestellt. "Der Säugling erlitt eine Schädelfraktur, schwere Hirnblutungen und Einblutungen in die Netzhäute", heißt es in der Anklage. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten Totschlag vor.

Der Vorsitzende Richter wollte von dem Angeklagten wissen, warum er dem Notarzt und den Ärztinnen und Ärzten in der Klinik nicht erzählt hat, dass er das Baby geschüttelt hatte. "Wenn Ärzte ein Kind röntgen, sehen sie ja, was los ist. Ich dachte nicht, dass ich da noch was zu sagen muss", sagte der 30-Jährige.

Der nicht vorbestrafte Angeklagte lebte laut Gericht mit Mutter und Tochter in Wandsbek zusammen. Die Mutter tritt in dem Prozess als Nebenklägerin auf.

Weitere Informationen
Eine gezeichnete Szene in einem Gerichtssaal.

Prozess: Vater soll in Hamburg Säugling getötet haben

Der heute 30-Jährige soll seine Tochter zu Tode geschüttelt haben. Darum ist er vor dem Hamburger Landgericht angeklagt. (03.12.2021) mehr

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NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 08.12.2021 | 13:00 Uhr

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