Prozess um Geldwäsche nach Drogengeschäften in Hamburg

Stand: 05.05.2021 17:22 Uhr

Im Hamburg hat am Mittwoch ein Mammutprozess begonnen. Acht Männer und Frauen im Alter von 37 bis 70 Jahren sind wegen Geldwäsche angeklagt. Sie sollen fast acht Millionen Euro aus Drogengeschäften von Hamburg ins Ausland verbracht haben.

Angeklagt ist eine vierköpfige Familie aus aus dem Norden Hamburgs, die einen Goldhandel und ein Pfandleihhaus in Hamburg betrieb. Die Hauptbeschuldigten sind ein Ehepaar im Alter von 69 und 70 Jahren und dessen 36- und 42-jährige Söhne. Vier weitere Beschuldigte sollen nach Angaben der Staatsanwaltschaft als Geldboten die aus Drogengeschäften stammenden Bargeldbeträge ins Ausland, zumeist nach Spanien, gebracht haben - und zwar unter anderem mithilfe von präparierten Koffern.

Verteidigung wollte Prozess unterbrechen lassen

Die Verteidiger des angeklagten Familienvaters forderten, den Prozess zu unterbrechen und in einen größeren Saal mit besseren Möglichkeiten zum Schutz gegen Corona zu verlegen. Die Anwesenheit von bis zu 47 Prozessbeteiligten gefährde die Gesundheit ihres 69 Jahre alten herzkranken Mandanten. Zudem sei die Öffentlichkeit mit nur acht Zuschauerplätzen nicht gewährleistet. Das Gericht lehnte die Anträge ab und ließ die Anklage verlesen.

Geldwäsche in 62 Fällen vorgeworfen

Die Staatsanwaltschaft wirft den Beschuldigten gewerbs- und bandenmäßige Geldwäsche in 62 Fällen vor. Alle acht Angeklagten sitzen in Untersuchungshaft.

Bei den Ermittlungen gegen die Bande hat auch das Chat-System EncroChat eine Rolle gespielt, das niederländische und französische Fahnder zuvor geknackt hatten. In ganz Europa wurden daraufhin Hunderte Kriminelle verhaftet. Die Hamburger Polizei bekam dadurch weitere Hinweise auf die jetzt Angeklagten. Das Gericht hat für den Prozess zunächst 35 Verhandlungstage angesetzt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 05.05.2021 | 16:00 Uhr

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