Parteitag: Hamburger CDU sagt Nein zum Gendern

Stand: 16.06.2021 06:07 Uhr

Die Hamburger Christdemokraten sehen sich nach ihrem Vorstoß gegen die Gendersprache in den politischen Debatten der Hansestadt in der Offensive.

Bei einem virtuellen Landesparteitag stimmten die Delegierten am Dienstagabend mit großer Mehrheit für die Vorlage des Landesvorstandes, der das Gendern ablehnt. "Die Hamburger CDU spricht sich dafür aus, dass in allen Behörden, Schulen, Universitäten und anderen staatlichen Einrichtungen keine grammatisch falsche Gender-Sprache verwendet wird", heißt es darin.

"Thema brennt Menschen unter den Nägeln"

"Das ist ein Thema, das den Menschen unter den Nägeln brennt", sagte der CDU-Vorsitzende Christoph Ploß. "Wir wollen, dass an staatlichen Einrichtungen die deutsche Grammatik gilt - privat kann jeder so sprechen, wie er möchte", sagte Ploß. Er habe nicht den Eindruck, dass die Malocher an der Werkbank sagen: "Bitte gendert mal mehr und setzt euch dafür ein, dass es überall Gender-Sternchen gibt und irgendwelche Gender-Doppelpunkte." Inhaltliche Kritik an dem Antrag gab es von den Partei-Mitgliederinnen und Mitgliedern nicht - 119 der mehr als 150 Teilnehmenden stimmten ihm zu.

Am selben Tag hatte Hamburgs Verwaltung grünes Licht dafür erhalten, in ihren Drucksachen, E-Mails und Formulierungen künftig eine gendersensible Sprache zu nutzen.

"Ein politisches Powerplay"

Die Kernbotschaft der CDU-Führung lautete außerdem: Wir sind wieder relevant in den politischen Debatten Hamburgs. Als Beispiele wurden die Beiträge der Bürgerschaftsfraktion zum Antisemitismus, das Innenstadtkonzept der Partei oder eben die Ablehnung eines Gender-Zwangs in der Sprache genannt. "Wir haben als Hamburger CDU in den vergangenen Wochen gezeigt, dass wir in der Lage sind, ein politisches Powerplay aufzuziehen", sagte Ploß. "Wir haben einfach häufig in Debatten keine Rolle mehr gespielt, und das ist anders geworden."

Lebensmittelabgabe soll leichter werden

Weitere Themen des Landesparteitags waren der Erwerb von Wohneigentum und Lebensmittelverschwendung. In entsprechenden Beschlüssen setzt sich die CDU dafür ein, die Wohneigentumsquote von aktuell knapp einem Viertel auf mindestens ein Drittel 2030 zu erhöhen und Lebensmittelhändler "zur kostenlosen Abgabe nicht mehr verkäuflicher Lebensmittel an Lebensmittelbanken oder Tafeln zu verpflichten".

In einem weiteren Beschluss beschäftigten sich die Christdemokraten mit dem Thema Bildungsgerechtigkeit. Die individuellen Startvoraussetzungen der Kinder drifteten zunehmend auseinander, heißt es darin. "Dies betrifft sowohl die Lernvoraussetzungen als auch die Wertebasis und die Einhaltung und Achtung eines respektvollen Zusammenlebens."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 16.06.2021 | 08:00 Uhr

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