Papst Franziskus gewährt Hamburgs Erzbischof Heße "Auszeit"

Stand: 29.03.2021 14:38 Uhr

Papst Franziskus gewährt dem Hamburger Erzbischof Stefan Heße eine Auszeit. Das teilte das Erzbistum Hamburg am Montag mit. Als Konsequenz aus einem Gutachten zum Umgang mit Missbrauchsvorwürfen im Erzbistum Köln hatte Heße dem Papst seinen Amtsverzicht angeboten.

Das Erzbistum bezeichnete die Nachricht aus Rom als "erste Antwort" von Papst Franziskus auf den von Heße angebotenen Verzicht. Der Vatikan teile dazu mit: "Papst Franziskus hat dem Erzbischof von Hamburg, S.E. Mons. Stefan Heße, eine Auszeit gewährt. Während seiner Abwesenheit wird der Generalvikar, Mons. Ansgar Thim, die ordnungsgemäße Verwaltung der Erzdiözese sicherstellen."

Was bedeutet "Auszeit"?

Unklar war zunächst, was unter "Auszeit" genau zu verstehen ist und wie lange sie dauern wird. Ein Sprecher des Erzbistums Hamburg sagte, er verstehe die Mitteilung so, dass noch keine Entscheidung gefallen sei. Die Frage, ob und wann der Papst den angebotenen Rücktritt von Erzbischof Heße annimmt, ist damit weiterhin offen. Aus Kirchenkreisen hieß es, es sei nun damit zu rechnen, dass sich nun ein langwieriges Prüfverfahren anschließe, in dem sich der Vatikan die Akten kommen lasse und den Fall eingehend untersuche. Das könne sich über Wochen hinziehen.

Gutachten belastet Heße

Vor zehn Tagen war in Köln ein Gutachten vorgestellt worden. Darin wurde untersucht, wie Bistumsverantwortliche in der Vergangenheit mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Priester umgegangen sind. Heße, der früher Personalchef und Generalvikar im Erzbistum Köln war, wurden insgesamt elf Pflichtverletzungen vorgeworfen. Dabei handelte es sich nach Angaben der Gutachter unter anderem um Verstöße gegen die Melde- und Aufklärungspflicht.

Amtsverzicht angeboten

Noch am selben Tag bot Heße dem Papst seinen Amtsverzicht an, "um Schaden vom Amt des Erzbischofs sowie vom Erzbistum Hamburg abzuwenden". Er betonte, dass er sich niemals an der Vertuschung von Missbrauchsvorwürfen beteiligt habe. Er sei aber dennoch bereit, seinen Anteil für das Versagen des Systems zu tragen.

Heße seit 2015 Erzbischof in Hamburg

Heße war im März 2015 als Erzbischof nach Hamburg gewechselt. Zum Erzbistum gehören neben Hamburg auch Schleswig-Holstein und Mecklenburg. In Köln wurden als Folge des Gutachtens zwei Weihbischöfe von Kardinal Rainer Maria Woelki beurlaubt.

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Stefan Heße © picture alliance / dpa Foto: Axel Heimken

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 29.03.2021 | 14:00 Uhr

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