Ein Mann und eine Frau stehen nebeneinander, zwischen ihnen ist eine Trennwand aufgestellt. © Oliver Fantitsch

"Nicht anfassen": St. Pauli Theater probt trotz Corona

Stand: 10.11.2020 19:10 Uhr

Hamburgs Theater sind im Lockdown geschlossen. Nur die Proben in den Häusern laufen weiter. Auch im St. Pauli Theater.

von Annette Matz

Eine Frau sitzt auf einen Bürostuhl, auf ihrem Schoß liegt ein Laptop. © Oliver Fantitsch
Trotz des Lockdowns wird im St. Pauli Theater geprobt.

Seit über einer Woche bleiben die Zuschauerräume des St. Pauli Theaters leer. "Das war ein wackeliger Moment", sagt Komponist und Regisseur Franz Wittenbrink. "Die Frage war: saust jetzt die Stimmung völlig runter?". Ist sie nicht. Obwohl die Premiere dieser Woche verschoben wurde. Die Entscheidung zu proben sei ein kleines "Trotzdem" und dieses "Trotzdem" mache Spaß.

Ein Stück über die Distanzen während Corona

"Nicht anfassen" heißt der neue Liederabend von Wittenbrink. Über das Thema muss man da nicht lange rätseln. Das Stück fängt damit an, dass sich die Schauspieler auf der Bühne begrüßen. Natürlich mit der gebotenen Distanz. Gerade Begrüßungen haben sich in Zeiten von Corona verändert und haben die letzten Monate bestimmt. Händeschütteln oder Umarmungen, geschweige denn ein Kuss auf die Wange, das ist lange her. Wittenbrink will bei seinem neuen Liederabend typische Corona-Situationen auf die Bühne bringen. 

Zwei Schauspielerinnen sind durch eine Trennwand getrennt. © Oliver Fantitsch

AUDIO: Proben für "Nicht anfassen" im St. Pauli Theater (3 Min)

Schuhplattler ist der Corona-Tanz

Zwei Menschen sind durch eine Trennwand voneinander getrennt
Die Corona-Maßnahmen haben den Erfinder des "Liederabend" inspiriert.

Begrüßungs-Füßeleien und Ellenbogen-Gruß haben den Erfinder dieser besonderen Liederabende zu einem Schuhplattler inspiriert. "Das ist ja der einzige Tanz, bei dem man sich anfassen darf. Aber nur sich selbst", lacht er. Einen musikalischen Abend zu Corona zu machen, einem so unangenehmen Thema, das konnte sich Wittenbrink zuerst nicht vorstellen. Dann hat ihn das Immer-Abstand-Halten müssen als neue gesellschaftliche Umgangsform mit allen seinen Konsequenzen doch nicht mehr losgelassen. "Da spürt man dann doch, dass man ein soziales Wesen ist".

Schauspieler werden getestet

Drei Männer sitzen auf niedrigen Stühlen auf einer Bühne. © Oliver Fantitsch
Die Schauspieler, die am Liederabend mitwirken werden fortlaufend auf Corona getestet.

Die drei Schauspieler und drei Schauspielerinnen werden fortlaufend auf Corona getestet. Genauso wie die Musiker, die miteinander zu tun haben. Aber auch jetzt dürfe man sich nicht ansingen und eine Distanz muss bleiben. Doch das ist egal. Hauptsache weitermachen. Der Abend, der hoffentlich bald Premiere haben wird, soll auch etwas Tröstliches haben. Es geht um Regisseure und ihre Corona- Probleme mit Liebesszenen oder Altersheimbesuche auf Distanz. Arrangeur Franz Wittenbrink hat wieder Musik gemixt, komponiert und Popsongs umgetextet.

Trost, Melancholie und Spaß

Wenn der wunderbare Peter Franke in der Probe dickbäuchig zu Michael Jacksons "Bad" über seine Gewichtszunahme aus Corona-Frust lamentiert, ist das einfach lustig. Allen tut es gut, gemeinsam auf der Bühne zu stehen, das spürt man. Die Durchläufe sind erstmal vorbei. Jetzt ist Pause. Doch alle stehen für den Liederabend in den Startlöchern und sind bestens vorbereitet für die Premiere, die für Anfang Dezember zumindest geplant ist. Im St. Pauli Theater beginnen die nächsten Proben. Das Weihnachtsmärchen ist nicht mehr weit - wenn denn alles gut geht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 05.11.2020 | 19:00 Uhr

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