Stand: 30.07.2018 09:33 Uhr

Nach Eisbär-Angriff: Debatte über Arktis-Reisen

Der erschossene Eisbär liegt an der Küste von Spitzbergen.

Der Hamburger Kreuzfahrtveranstalter Hapag-Lloyd Cruises wirbt für Reisen zur norwegischen Inselgruppe Spitzbergen mit dem Versprechen, die Passagiere könnten dort "Arktis pur" erleben. "Wo Eisbären die Wildnis regieren", heißt es auf der Webseite, "bestimmt die Natur den Verlauf ereignisreicher Tage". Nun geschah auf einer solchen Arktis-Reise ein folgenschwerer Unfall: Ein Mann wurde auf Spitzbergen von einem Eisbären angegriffen, das Tier wurde von Eisbärenwächtern "aus Notwehr" erschossen. In den sozialen Medien wird der Vorfall nun kontrovers diskutiert. Bisher hat sich der Veranstalter auch auf Nachfrage nicht geäußert.

Mann ist außer Lebensgefahr

Der verletzte Mann ist ein deutsches Crew-Mitglied des Kreuzfahrtschiffes MS "Bremen". Er war selbst einer von mehreren Eisbärenwächtern. Das Tier habe ihn am Kopf verletzt, teilte der Veranstalter Hapag-Lloyd Cruises mit. Der Mann sei am Sonnabend mit anderen Wächtern - aber ohne Touristen - an Land gegangen. Der Mann wurde mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus gebracht. Weitere Crewmitglieder und Passagiere sind vom Vorfall nicht betroffen, wie die norwegische Polizei mitteilte.

Bis zu fünf bewaffnete Eisbärenwächter an Bord

Die jeweils vier bis fünf Eisbärenwächter an Bord der Schiffe von Hapag-Lloyd Cruises sollten dafür sorgen, dass Passagiere gefahrlos an Land gehen können, sagte eine Unternehmenssprecherin. Sie seien speziell ausgebildet und bewaffnet. Der Vorfall vom Sonnabend sei geschehen, als die Wächter eine Landstation zur Absicherung eines regulären Landgangs einrichten wollten. Die Beobachtung von Eisbären würde allerdings nicht von Land aus geschehen, so die Sprecherin, sondern dafür blieben die Passagiere an Bord des Schiffes.

Behörden warnen vor Gefahr durch Eisbären

Kreuzfahrt-Passagiere zahlen Tausende Euro, um Eisbären im hohen Norden zu beobachten. Eine zehntägige Reise mit der MS "Bremen", die 160 Passagiere mitnehmen kann, startet bei knapp 6.000 Euro. Die Behörden der Region warnen indes regelmäßig vor der Gefahr, die von Eisbären ausgeht. Zuletzt starb 2011 ein britischer Student an den Folgen einer Eisbär-Attacke.

Diskussion in den sozialen Medien

In den sozialen Medien sorgt der aktuelle Vorfall nun für Diskussionen. Nutzer fragten, ob solche Reisen überhaupt sein müssten. "Warum lasst ihr die Eisbären nicht in Ruhe?", fragte etwa ein User auf Twitter.

Wer Eisbären anschauen wolle, solle in den Zoo gehen, hieß es in einem anderen Tweet. Menschen seien in das Gebiet des Eisbären eingedrungen und hätten ihn sinnlos getötet, schrieb ein anderer User. Ein weiterer Nutzer kritisierte, dass Schifffahrten in die Arktis Teil des Problems seien.

Der Zwischenfall sorgte auch international für Diskussionen. So twitterte der britische Comedian Ricky Gervais sinngemäß: "Lasst uns den Eisbären in ihrer natürlichen Umgebung zu nahe kommen und dann töten, wenn er zu nahe kommt - Idioten."

 

Meinung
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 28.07.2018 | 16:00 Uhr

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