Stand: 21.08.2019 15:41 Uhr

NABU-Ranking: Kreuzfahrten werden kaum sauberer

Die Kreuzfahrtbranche hat nach Ansicht vom Naturschutzbund (NABU) im vergangenen Jahr kleine Fortschritte bei der Luftreinhaltung gemacht. Nach dem diesjährigen NABU-Ranking steigt die Klimabelastung allerdings trotzdem an.

Einige neue Schiffe werden sauberer

Neue Schiffe, die auf den Markt kommen, werden sauberer, lobt die Umweltschutzorganisation nach der Analyse von 89 Schiffen. So gibt es mit den Schiffen "AIDAnova" und "Costa Smeralda" bereits zwei große Kreuzfahrer, die weder Schweröl noch Marinediesel einsetzen, sondern Flüssiggas. Die beiden Schiffe führen das diesjährige NABU-Ranking an, gefolgt von drei Schiffen der Reederei Hapag-Lloyd Cruises, die auf Schweröl verzichten und die Abgase reinigen. Dies seien Innovationen der Kreuzfahrtbranche, und es sei fair, dies auch anzuerkennen, betonte Daniel Rieger, Leiter Verkehrspolitik beim NABU. In der Seeschifffahrt sei das ansonsten Mangelware. 2018 hatte die "AIDAnova" als einziges mit Flüssiggas betriebenes Schiff das Ranking noch alleine angeführt.

Kaum Umrüstung älterer Schiffe

Viele Schiffe, die regelmäßig die norddeutschen Häfen anlaufen, wie beispielsweise die "Queen Mary 2", die "Costa Favolosa" oder die "MSC Poesia", schneiden im NABU-Ranking in den Kategorieren "Luftschadstoffminderung" und "Klimabilanz" schlecht ab. Der NABU kritisiert daher vor allem, dass ältere Kreuzfahrtschiffe kaum umgerüstet würden. Dies müsse sich dringend ändern, forderte Rieger.

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Zwei Schiffe werden vom NABU gelobt - die "AIDAnova" und die "Costa Smeralda".

Und: Weil die Zahl der Schiffe insgesamt steigt, nehme auch die Belastung fürs Klima zu. Der NABU fordert deshalb, dass die Branche beispielsweise verstärkt synthetische Kraftstoffe einsetzt. So wiesen die Umweltschützer darauf hin, dass auch Flüssiggas ein fossiler Brennstoff sei, der teils mit großen Eingriffen in die Umwelt gewonnen werde.

Appell für Landstrom

"Entsprechend bietet der Gasantrieb zwar in puncto Luftschadstoffminderung unbestreitbare Vorteile gegenüber Marinediesel und Schweröl, nicht jedoch in Hinblick auf die Klimabilanz der Flotte", bilanzierte der NABU. Zudem appellierte er an die Politik, Reeder in den Häfen dazu zu verpflichten, Landstrom anzunehmen - damit die Motoren an Bord abgestellt werden können.

CLIA: Bis 2030 CO2-Ausstoß um 40 Prozent senken

Der Verband der wichtigsten Kreuzfahrt-Reedereien, die Cruise Lines International Association (CLIA), erklärte in einer Stellungnahme, 129 ihrer 268 Schiffe hätten bereits eine Abgasnachbehandlung erhalten. Bei 40 weiteren stünden Nachbesserungen an. Generell werde man bis 2030 den CO2-Ausstoß um 40 Prozent senken. Der Verband nannte die Punktevergabe nicht wissenschaftlich und willkürlich. Schiffe, deren Abgasnachbehandlung laut CLIA alle Gesetzesvorgaben erfüllten, erhielten keine Punkte.

AIDA Cruises: "Leisten Pionierarbeit"

Gelassen reagierte AIDA Cruises mit Sitz in Rostock auf das Ranking und die vom NABU formulierte Kritik: Auf dem Weg zur emissionsneutralen Kreuzfahrt leiste das Unternehmen "seit vielen Jahren in den verschiedensten Bereichen Pionierarbeit", sagte Sprecher Hansjörg Kunze. Bis Ende 2023 würden 94 Prozent aller AIDA-Fahrgäste auf Schiffen reisen, die komplett mit Flüssiggas oder, wo möglich, im Hafen mit grünem Landstrom betrieben werden können. In diesem Zeitraum sollen demnach zwei weitere mit Flüssiggas betriebene Schiffe auf Reisen gehen. Auch auf dem Feld der CO2-freien Gewinnung von Flüssiggas sei AIDA Cruises aktiv.

TUI: "Umweltfreundlichste Flotte der Welt"

Selbstbewusst gibt sich auch TUI Cruises, Hamburger Betreiber der "Mein Schiff"-Flotte. Das Unternehmen "fährt aktuell mit der modernsten und umweltfreundlichsten Flotte der Welt und verfolgt eine ganzheitliche Umweltstrategie", betonte Pressesprecherin Godja Sönnichsen. So seien sechs von sieben Schiffen Neubauten mit bis zur 40 Prozent geringerem Energie- und entsprechend niedrigerem Treibstoffverbrauch als Kreuzfahrtschiffe vergleichbarer Größe. Auch Engagement und Planungen in Sachen Flüssiggas- und Landstromnutzung ab 2020 würde in dem Ranking nicht berücksichtigt. "Das finden wir schade", sagte Sönnichsen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 21.08.2019 | 12:00 Uhr

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