Stand: 17.10.2018 15:41 Uhr

Mordversuch von 1980: Freispruch gefordert

Es galt als der große Erfolg der Sonderkommission "Cold Cases" der Hamburger Polizei: Sie hatte Anfang dieses Jahres einen Mann als Tatverdächtigen präsentiert, der vor 38 Jahren in Steilshoop versucht haben sollte, eine Jugendliche zu vergewaltigen und ermorden. Jetzt droht das Ganze zu einem Flop zu werden.

Ein Mann verdecktz sein gesicht mit einem Aktenordner.

"Cold Cases"-Prozess endet wohl mit Freispruch

Hamburg Journal -

Im Prozess um einen versuchten Mord an einer Jugendlichen vor fast 38 Jahren in Hamburg-Steilshoop haben Staatsanwaltschaft und Verteidigung Freispruch gefordert.

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Alle Beteiligten plädieren auf Freispruch

Es läuft auf einen Freispruch hinaus. Wenn nichts Unerwartetes mehr passiert, wird für immer ungeklärt bleiben, wer das grausame Verbrechen vor 38 Jahren begangen hat. Alle Prozessbeteiligten haben am Mittwoch vor dem Landgericht auf Freispruch für den Angeklagten plädiert - selbst die Staatsanwältin, die ihn wegen versuchten Mordes angeklagt hatte.

Hauptbelastungszeugen weggebrochen

Im Laufe des Verfahrens waren die Hauptbelastungszeugen weggebrochen. Zwei frühere Schulfreunde aus Steilshoop hatten vor der Polizei behauptet, dem Angeklagten habe früher das Tatmesser gehört. Im Prozess aber erinnerten sie sich doch nicht mehr so genau.

"Nicht aufzuklären"

"Es ist mit unseren Mitteln nicht aufzuklären, ob der Angeklagte der Täter ist oder nicht," sagte die Staatsanwältin am Mittwoch vor einer Jugendstrafkammer am Landgericht. Einiges spräche dafür, dass er das Verbrechen damals begangen hat. Die Beweise würden aber nicht ausreichen. Die Staatsanwältin beantragte, dem 54-jährigen Angeklagten eine Entschädigung für die viereinhalb Monate Untersuchungshaft zu zahlen.

Verteidigung bemängelt Ermittlungsfehler

Der Verteidiger plädierte ebenfalls auf Freispruch und bemängelte zahlreiche Ermittlungsfehler. Er erwähnte, dass die Tatwaffe und weitere in Tatortnähe gefundene Gegenstände aus der Asservatenkammer verloren gingen.

Anwältin: Für Opfer ein Albtraum

Die Anwältin des damaligen Opfers sagte, für die Frau sei das alles ein Albtraum. Alles sei wieder aufgewühlt worden, und der Täter sei immer noch unbekannt. Das Opfer des Verbrechens war am Abend des 1. November 1980 heimtückisch mit dem Messer angegriffen worden. Die damals 16-Jährige stellte sich tot. Der Täter zog sie aber noch in ein Gebüsch und versuchte sie zu vergewaltigen. Die Jugendliche konnte nur durch eine Notoperation gerettet werden. 

Der Angeklagte schwieg im gesamten Verfahren zu den Vorwürfen und verzichtete auch auf ein Letztes Wort. Das Landgericht wird sein Urteil am 24. Oktober verkünden.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 17.10.2018 | 15:00 Uhr

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