Stand: 15.02.2018 06:08 Uhr

Messerangriff in Barmbek: Täter schuldfähig

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Ahmad A. ist laut Gutachten voll schuldfähig.

Der Messerstecher von Hamburg-Barmbek ist nach Einschätzung eines psychiatrischen Gutachters voll schuldfähig. "Es liegt keine die Schuldfähigkeit beeinträchtigende Störung vor", sagte Norbert Leygraf am Mittwoch im Prozess vor dem Staatsschutzsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichts. Der 27-jährige Ahmad A. leide weder unter eine psychischen Erkrankung noch habe er bei seiner Tat am 28. Juli des vergangenen Jahres unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen gestanden, erklärte der Gutachter weiter. Bei einer Haaranalyse hatte das Hamburger Institut für Rechtsmedizin nur sehr geringe Rückstände des Cannabis-Wirkstoffes THC gefunden.

Rechtsmediziner: Todesopfer hatte keine Chance

Am fünften Prozesstag stellte auch der Rechtsmediziner Klaus Püschel seine Ergebnisse vor. Er berichtete von der Obduktion des Mannes, der in dem Supermarkt erstochen worden war. "Regelrecht reingerammt" hätte der Täter das Messer. Das Opfer hätte keine Chance gehabt und sei einfach verblutet. Lang war die Liste der Verletzungen der sechs Menschen, die die Messerattacke überlebt haben. Zwei von ihnen schwebten damals in akuter Lebensgefahr, bei den anderen heißt es im Gutachten "potenzielle Lebensgefahr".

Gutachter beschreibt Radikalisierung

Der Psychiater, der insgesamt dreimal mit Ahmad A. sprach, erklärte, der Angeklagte habe ihm gesagt, "der Vorfall" sei nicht seine eigene Entscheidung, sondern Gottes Wille gewesen. Auffällig sei der phasenhafte Verlauf seiner Radikalisierung gewesen. Nach der Gründung des Islamischen Staates (IS) im Jahr 2014 habe er sich Propagandavideos der Terrororganisation angesehen. Im März 2016 habe er nach eigenen Angaben den Koran plötzlich vollkommen verstanden und sei davon überwältigt gewesen. Er habe die Menschen nur noch in wahre Gläubige und Heuchler unterteilt. Die neunjährige Odyssee durch vier Länder habe das Selbstwertgefühl des Angeklagten beschädigt. Er habe sich selbst entschieden gehabt nach Europa zu gehen, angezogen vom westlichen Lebensstil, den er aus Filmen kannte. Frauen und Werbeplakate hätten ihn dort aber immer wieder in Versuchung gebracht. Nun sei er Allah dankbar für die Inhaftierung, denn sonst wäre er weiter anfällig für Versuchungen, sagte er dem Gutachter.

Urteil voraussichtlich am 1. März

Der Angeklagte hatte beim Prozessauftakt gestanden, in einer Edeka-Filiale einen Mann erstochen und anschließend sechs weitere Menschen verletzt zu haben. Die Bundesanwaltschaft wirft dem Palästinenser Mord sowie versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung in sechs Fällen vor. Der Prozess soll am 19. Februar mit den Plädoyers fortgesetzt werden, das Gericht will sein Urteil am 1. März verkünden.

Ein Toter und sechs Verletzte

Ahmad A. hatte am 28. Juli 2017 in dem Supermarkt einen 50-Jährigen unvermittelt mit einem Messer angegriffen und getötet. Anschließend verletzte der abgelehnte Asylbewerber noch sechs weitere Menschen. Laut Bundesanwaltschaft ist es dem ausreisepflichtigen Palästinenser darauf angekommen, möglichst viele deutsche Staatsangehörige christlichen Glaubens zu töten. Dahinter habe seine Überzeugung gestanden, dass Muslime weltweit unterdrückt würden.

Messerattacke im Supermarkt

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 14.02.2018 | 16:00 Uhr

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