Leben in der Pandemie: Die ambulante Pflegerin

Sendedatum: 25.02.2021 19:30 Uhr

Wie hat die Pandemie Ihr Leben verändert? Unter dieser Fragestellung starten diese Woche NDR 90,3 und Hamburg Journal eine neue Serie und begleiten sieben Hamburger und Hamburgerinnen durch die Corona-Zeit. Darunter die ambulante Pflegerin Sandra Ploog.

von Isabelle Wildberger

Es ist kurz nach sieben Uhr, als Sandra Ploog ihren Dienst startet. 15 Kundinnen und Kunden hat die ambulante Pflegerin heute insgesamt. Während der Pandemie hat die Belastung zugenommen. Da wäre zum einen das stetige Arbeiten mit Maske. Zum anderen sind für ihre Kundinnen und Kunden Begegnungen gerade jetzt essentiell. Darunter Dietmar Baum: "Es wird regelmäßig zum Beispiel erfragt, wie ich geschlafen habe, wie es mir geht und auch so das allgemeine Befinden." Dass der Tag so zugewandt losgehe, sei ganz wichtig. Für Sandra Ploog ist es das, was ihr an ihrem Beruf Spaß macht: "Es ist einer der wenigen Berufe, wo man noch sein Geld verdient, aber auch eine große Wertschätzung von den Kunden zurückbekommt. Wenn man da war, wenn man sie versorgt hat, wenn man auch mal nur ein Gespräch führt - das ist schon viel Wert." Doch das kostet auch Zeit.

Zuwendung trotz Zeitmangel

Sandra Ploog, ambulante Pflegerin in Hamburg, steht draußen vor ihrem Auto. © NDR Foto: Isabelle Wildberger
Die ambulante Pflegerin Sandra Ploog ist auch während Corona im Dauereinsatz.

Die 36-Jährige ist für die Arbeiterwohlfahrt (AWO) heute in Bergedorf unterwegs. Dietmar Baum ist ihr erster Kunde. Er braucht einen Kompressionsverband. Durchschnittlich hat sie zehn Minuten Zeit. Das hat sich während Corona nicht verändert. Weiter geht es zu Herrn Müller. Immer mit dabei: Ihre Maske. Nur für das Bild auf Abstand nimmt sie sie einmal ab.

Pflege in der Pandemie: Hygieneregeln entscheidend

Durch ihre vielen Kontakte an einem Tag, muss Sandra Ploog während der Pandemie besonders auf die Einhaltung der Hygienevorschriften achten. "Man hat immer das Gefühl oder auch die Angst, dass man doch vielleicht etwas übertragen könnte, dass man eine Gefahr sein könnte." Doch mittlerweile habe sie sich daran gewöhnt. Auch ihre Kundinnen und Kunden hätten nicht mehr so eine Angst, sagt sie. Um ihre Kundinnen und Kunden zu schützen, achtet Sandra Ploog auch im Privaten strikt darauf, Corona-Richtlinien einzuhalten: "Wir müssen jetzt noch stärker ein Team sein, um uns gegenseitig und die Kunden zu schützen."

Ambulante Pflege: Für Ältere häufig einziger Kontakt

Oft ist Sandra Ploog der einzige Kontakt nach Außen, für viele ältere Menschen ist die Welt durch Corona kleiner geworden. "Mitunter warten sie auch richtig, dass wir kommen. Da blühen sie auch manchmal noch so auf." Schließlich konnten viele ältere Menschen vorher bedenkenlos auf den Markt oder einkaufen gehen. Das machten jetzt überwiegend die Familien und Verwandte: "Da ist es einem schon sehr bewusst, dass man eigentlich die einzige Beziehungsperson zur Zeit ist."

 Corona: Pflegebranche besonders betroffen

Die Pflegebranche ist von der Corona-Pandemie besonders betroffen. Der tägliche Besuch Zuhause ist eine Gefahr für alle Beteiligten. Trotzdem müsse es erstmal weitergehen, sagt Sandra Ploog: "Erstmal wird sich für uns ja gar nichts verändern. Es wird erstmal weiter so laufen, dass wir uns an die Maßnahmen halten müssen. Und wie jeder andere auch, hoffen wir natürlich, dass es stückweise wieder mehr Kontakte haben können." Sprich: Dass auch ältere Menschen nicht so viel alleine sind. Dass sie wieder Kontakt zu ihren Familien und ihren Verwandten aufnehmen können. "Aber das dauert ja noch", sagt die Hamburgerin.

Wie sich der Verlauf der Pandemie auf ihren Alltag auswirken wird, werden die nächsten Monate zeigen. Immerhin einen Impftermin hat sie jetzt.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 25.02.2021 | 19:30 Uhr

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