Kündigung für kritische Krankenpflegerin? Termin vor Gericht

Stand: 01.02.2021 13:32 Uhr

Nach dem Streit über die Kündigung einer Krankenschwester der Asklepios-Klinik St. Georg hat es am Montag einen Gütetermin vor dem Hamburger Arbeitsgericht gegeben.

Die Klinikleitung und die Pflegerin Romana Knezevic einigten sich auf ein Gespräch über die gegenseitigen Vorwürfe. Die Konzernleitung von Asklepios hatte das Gespräch angeboten. Die Anwältin der Klinik äußerte sich allerdings nicht dazu, wie das Ergebnis aussehen könnte. Sie ließ insbesondere die Frage unbeantwortet, ob am Ende des Gesprächs auch eine Rücknahme der Kündigung stehen könnte.

Kritisches Interview als Kündigungsgrund?

Asklepios will die Krankenschwester fristlos entlassen, weil sie im Dezember im Hamburg Journal im NDR Fernsehen ein Interview gegeben hatte. Darin hatte Knezevic, die auch Betriebsrätin ist, eine Überlastung der Pflegekräfte auf der Intensivstation kritisiert: Es gebe zu wenige Pflegekräfte für zu viele Corona-Patienten und - Patientinnen, sagte sie. Es fiel der Satz: "Patienten sterben allein auf ihren Zimmern." Die Klinikleitung weist die Vorwürfe zurück.

Da der Betriebsrat der Kündigung nicht zustimmt, hat Asklepios vor dem Arbeitsgericht geklagt. Sollte es bei dem jetzt vereinbarten Gespräch zu keiner Einigung kommen, wird das Gericht Ende Mai darüber verhandeln.

Solidaritätsdemo auf dem Rathausmarkt

Rund 70 Menschen hatten am Sonntag aus Solidarität mit der Krankenschwester auf dem Rathausmarkt demonstriert. Sie riefen unter anderem: "Hört auf die Beschäftigten" und "Solidarität mit Romana". Zu dem Protest aufgerufen hatten mehrere Initiativen.

Weitere Informationen
Die Fassade der Asklepios-Klinik in Hamburg-St. Georg.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 01.02.2021 | 14:00 Uhr

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