Stand: 14.02.2018 17:29 Uhr

Kostenloser Nahverkehr? Skepsis in Hamburg

Im Streit um Schadstoff-Grenzwerte zwischen Deutschland und der EU denkt die Bundesregierung über eine ungewöhnliche Idee nach, um die Behörden in Brüssel zu besänftigen: Damit in deutschen Städten künftig weniger Autos fahren, sollten Bus- und Bahnfahrten künftig kostenlos sein, schlugen Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) und Verkehrsminister Christian Schmidt (CSU) vor. Die Hamburger Verkehrsbehörde und der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) reagierten skeptisch.

Mehrere Menschen warten an einer Bushaltestelle.

Kostenloser Nahverkehr im Test

NDR//Aktuell -

Die kostenlose Nutzung des Nahverkehrs soll in fünf Städten getestet werden: Damit mehr Menschen das Auto stehen lassen und die Luft in den Städten besser wird.

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Sprecher: Kostenloser Nahverkehr in Hamburg kostet eine "Elphi"

Ein Sprecher des Hamburger Verkehrsbehörde erklärte, jährlich nehme der HVV knapp 850 Millionen Euro durch Fahrkarten ein - eine Summe, vergleichbar mit den Kosten der Elbphilharmonie. Werde der Öffentliche Nahverkehr gratis, müsse der Steuerzahler dafür aufkommen, so der Sprecher. Zusätzlich müssten außerdem die Kapazitäten von Bussen, Bahnen und Haltestellen massiv ausgebaut werden, um die zusätzlichen Fahrgäste zu verkraften.

"Nicht leistbar"

Öffentlicher Nahverkehr in Hamburg

Behörde kritisiert Idee des kostenlosen ÖPNV

NDR 90,3 - NDR 90,3 Aktuell -

Vor dem Hintergrund der Debatte um Schadstoff-Grenzwerte will die Bundesregierung Anreize für den den ÖPNV zu schaffen. Der Vorschlag, Bahn- und Busfahrten künftig kostenlos anzubieten, löst in Hamburg Skepsis aus.

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Der HVV befördert jetzt schon jährlich rund 770,5 Millionen Fahrgäste. Es sei nicht leistbar, umgehend mehr Busse und Bahnen in Fahrt zu bringen, sagte der Behördensprecher. Auch hierfür müsse zunächst die Finanzierung geklärt werden und darüber hinaus die Fahrzeuge zur Verfügung stehen. Für den Ausbau von U- und S-Bahnen sind zudem langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren zu durchlaufen.

HVV: Idee ist unrealistisch

Auch der HVV hält die Idee der Bundesminister für unrealistisch. Erfahrungen in Städten mit Gratis-Nahverkehr zeigten, dass vor allem Fußgänger und Radfahrer auf Bus und Bahn umstiegen. Bei Autofahrern sei dies hingegen nicht zu beobachten.

Umweltbehörde ist dafür

Die Hamburger Umweltbehörde begrüßte den Vorschlag dagegen. Ein Gratis-Angebot würde dazu führen, dass mehr Menschen das Auto stehen ließen und es weniger Abgase und Lärm in der Stadt gäbe. Außerdem sei zu begrüßen, dass die Bundesregierung nun offenbar doch über Umweltzonen für alte Dieselautos nachdenke.

Linke: kostenfreier ÖPNV wäre toll

Die Verkehrsexpertin der Linken, Heike Sudmann, sagte, "ein kostenfreier Öffentlicher Nahverkehr wäre gerade für Hamburg toll". Sie betonte aber, dass der Vorschlag bislang nicht im Koalitionsvertrag der Großen Koalition zu finden sei und ihm daher von Seiten der Parteien nicht viel Gewicht eingeräumt werde. Sudmann zufolge "sollte der Vorschlag nicht nur Lückenbüßer bei dicker Luft sein".

Weitere Informationen

Verkehrsklima in Hamburg besonders rau

In kaum einer anderen Großstadt in Deutschland sind Autofahrer und Radfahrer so unzufrieden wie in Hamburg. Das geht aus einer repräsentativen Studie des ADAC hervor. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 13.02.2017 | 16:00 Uhr

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