Noch eine Baustelle: Das "Haus der Erde" an der Bundesstraße in Hamburg. © NDR Foto: Zeljko Todorovic

Kostenexplosion bei "Haus der Erde"

Stand: 11.11.2020 19:59 Uhr

Der Neubau der Universität Hamburg am Geomatikum wird vor allem wegen Problemen bei der Lüftung deutlich teurer als geplant. Statt der vorgesehenen 177 Millionen Euro werden für das "Haus der Erde" mindestens 303 Millionen Euro fällig.

Das geht aus einem Antrag des rot-grünen Senats zur Nachbewilligung von insgesamt 157 Millionen Euro hervor. Ursprünglich sollte der Neubau bereits im vergangenen Jahr fertig sein, nun gehen die Planerinnen und Planer von 2024 aus.

Planungsmängel bei Lüftung und Sprinkleranlage

Die gleichen Themen, die beim Bau der Elbphilharmonie und beim noch nicht fertig gestellten CCH zu enormen Kostensteigerungen geführt hätten, sorgten nun auch bei diesem Projekt für eine Eskalation: Planungsmängel bei der Laborlüftung im Brandfall, bei den Brandmelde- und Sprachalarmierungsanlagen, bei der Gasversorgung der Labore und bei der Sprinkleranlage.

Weil die Anforderungen an die Lüftung als zu gering eingeschätzt worden seien, gerieten die Lüftungsschächte im bereits fertiggestellten Rohbau zu klein und die Tragfähigkeit des Dachs für die Lüftungsanlage zu gering, heißt es in der Senatsdrucksache. Die Folge: Nun muss neben dem Gebäude eine dritte Anlage errichtet werden.

"Das ist richtiger Murks"

Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) sagte: "Das ist richtiger Murks und richtiger Mist." Schon vorher hatte Universitätspräsident Dieter Lenzen von offenbar fehlender Professionalität beim Bauherrn, einem Staatsbetrieb, gesprochen.

CDU: Senat hat Planungsmängel zu spät erkannt

"Die Mehrkosten, die der Senat jetzt endlich präzisiert hat, übertreffen alle Befürchtungen", erklärte der CDU-Haushaltsexperte Thilo Kleibauer am Mittwoch. Der rot-grüne Senat habe bei dem Bauprojekt komplett versagt. "Viel zu spät wurden Planungsmängel erkannt und behoben", sagte Kleibauer. Von kostenstabilem Bauen sei nichts zu erkennen. Er forderte eine Sondersitzung des Haushaltsausschusses

Nach dem Debakel um die Mehrkosten bei der Elbphilharmonie hatte der Senat um den damaligen Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) das Prinzip des sogenannten kostenstabilen Bauens eingeführt, das Kostenexplosionen wie nun am Geomatikum eigentlich verhindern sollte.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 11.11.2020 | 17:00 Uhr

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