Stand: 24.11.2018 08:40 Uhr

Kommentar: "Gewalt gegen Frauen geht alle an"

von Susanne Röhse

Am Donnerstagabend leuchtete es Orange in der Hamburger Innenstadt, um an die Opfer von Partnergewalt zu erinnern. Die Zahlen sind gerade veröffentlicht worden: 140.000 Fälle wurden 2017 bundesweit angezeigt. Die Dunkelziffer ist weit höher, denn nur jedes fünfte Opfer sucht überhaupt Hilfe.

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Frauen brauchen mehr Schutz und Hilfe, meint NDR 90,3 Redakteurin Susanne Röhse in ihrem Kommentar.

Christel Klein - getötet 1981 - von ihrem eigenen Ehemann. Kurz zuvor hatte sie zusammen mit ihren drei kleinen Töchtern eine eigene Wohnung bezogen. An Christel Klein erinnert ein Gedenkstein auf dem Ohlsdorfer Friedhof. Die meisten Frauen bleiben anonym. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland mehr als 100 Frauen von ihren Männern umgebracht - jeden dritten Tag starb eine. Die Zahlen sind skandalös und nicht hinnehmbar.

Gewalt zieht sich durch alle Schichten

Es passiert übrigens überall, auch hier in Hamburg: in der schicken Villengegend an der Elbe und in der tristen Hochhaussiedlung in Jenfeld. Allein in unserer Stadt wurde gegen gewalttätige Partner im vergangenen Jahr 5.500 Mal Strafanzeige gestellt. Die meisten Opfer häuslicher Gewalt sind weiblich. Die meisten Täter sind Deutsche - Gewalt ist nicht erst mit den Migranten eingewandert.

Opfer bleiben meist anonym

Ja, die Zahlen sind ungeheuerlich, aber seit Jahren bekannt. Und das regt niemanden auf. Warum eigentlich nicht? Weil gerade auch häusliche Gewalt immer noch als Privatsache gilt. Weil ein richtiger Mann bei uns immer noch stark und dominant sein muss. Weil Opfer sich schämen und anonym bleiben. Und genau da setzt die mutige Kampagne an, die die Sozialbehörde im vergangenen Jahr zum Internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen vorgestellt hat. Auf den ersten Blick sehen die Plakate aus wie diejenigen einer bekannten Partnervermittlung. Darauf zeigen Frauen ihr Gesicht mit Sätzen wie "Ich wollte meine Würde zurück" oder "Ich bin gegangen, weil ich wieder ich selbst sein wollte". Die Frauen werden nicht als Opfer dargestellt, sondern als Frauen, die Mut hatten, sich aus einer gewalttätigen Beziehung zu lösen. Die Kampagne hat bundesweit Aufmerksamkeit erregt.        

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Hilfe bei häuslicher Gewalt

Gewalt gegen Frauen hat viele Facetten. Auf der Internetseite der Hamburger Sozialbehörde werden Hilfsangebote für Betroffene aufgelistet - darunter ein Hilfetelefon. extern

Geld alleine hilft nicht

Mehr Geld für Frauenhäuser und Beratungsangebote allein helfen nicht. Frauen müssen darauf vertrauen können, dass sie jederzeit an jedem Ort in Deutschland Schutz und Hilfe finden. Frauen müssen darauf Vertrauen können, dass die Täter konsequent verfolgt und bestraft werden. Damit dies passiert, will Hamburg jetzt drei neue Staatsanwälte einstellen. Das ist ein gutes Signal. Denn Gewalt gegen Frauen ist keine Privatsache - sie geht uns alle an.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 24.11.2018 | 08:40 Uhr

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