Stand: 13.10.2018 08:40 Uhr

Kommentar: Fernwärmerückkauf mit Beigeschmack

von Hendrik Lünenborg

Es ist vollbracht. Die Hamburgerinnen und Hamburger wollten das Fernwärmenetz zurück und sie bekommen es. Für 950 Millionen Euro will es die Stadt von Vattenfall zurückkaufen. Am Mittwoch will Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) eine Regierungserklärung dazu abgeben.

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NDR 90,3-Chef Hendrik Lünenborg kommentiert den Rückkauf des Fernwärmenetzes in Hamburg.

Wir reden hier eigentlich von einer Selbstverständlichkeit. Ein Volksentscheid wird umgesetzt. Also war das eine gute Woche für die Demokratie. Eigentlich. Aber die Art und Weise, wie der Rückkauf gelaufen ist, wirft ein schlechtes Licht auf die Regierenden in Hamburg. Und das liegt vor allem am Umweltsenator und am Finanzsenator. Sie sitzen in einer Regierung und trauen sich nicht über den Weg.

Gutachten versus Gutachten

Der Umweltsenator hat ein Gutachten, dem zufolge der Rückkauf des Fernwärmenetzes ein sehr profitables Geschäft ist. Der Finanzsenator zieht ein eigenes Gutachten aus der Tasche - und das kommt zu einem anderen Schluss. So was hinterlässt einen fatalen Eindruck. Das versteht kein Bürger! Es geht schließlich um viele Millionen Euro, die jetzt in den Kauf des Netzes und später in die Infrastruktur investiert werden.

Tschentscher ist Erklärung schuldig

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Es sind unsere Millionen und wir können darauf bestehen, dass sie mit Bedacht ausgegeben werden. Die Gutachten werden nächste Woche öffentlich. Ganz schön spät wie ich finde, aber immerhin. Und dann muss der Bürgermeister am Mittwoch in der Bürgerschaft erklären, wie die Fernwärme in Hamburg bezahlbar bleiben kann. Das hat er nämlich bislang noch nicht verraten. Der ganze Rückkaufprozess ist sehr kompliziert und gerade deshalb muss der Bürgermeister ihn so erklären, dass wir alle nachvollziehen können, was da eigentlich passiert.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 13.10.2018 | 08:40 Uhr

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