Kommentar: Einige Sport-Funktionäre verlieren die Bodenhaftung

Stand: 20.02.2021 08:40 Uhr

Wenn Sie Sport-Fan sind und Lust haben, können Sie heute den ganzen Tag vor dem Fernsehschirm verbringen: Ski alpin in Italien, Biathlon in der Slowakei, Tennis in Australien, Fußball in aller Welt. Der internationale Sport-Zirkus ist auch in Corona-Zeiten geöffnet - aber Sonderwege, vor allem im Profi-Fußball, sorgen für Unmut. Schießt sich der Fußball selbst ins Abseits? Lars Pegelow kommentiert.

von Lars Pegelow

Ich habe mich in den vergangenen Wochen wahnsinnig geärgert über "meine" Fußballer. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge will Fußball-Profis schneller impfen lassen, Bayern-Trainer Hansi Flick kritisiert Corona-Maßnahmen allgemein und Fußball-Vereine jetten - wie in diesen Tagen in der Champions League und in der Europa League - in irgendwelche anderen Länder, um nationale Corona-Regeln zu umgehen.

Einige Funktionäre sind unverschämt

Lars Pegelow im Studio von NDR 90,3 © NDR Foto: Marco Peter
NDR 90,3 Sportreporter Lars Pegelow kommentiert das Verhalten einiger Profi-Vereine in der Corona-Krise.

Das alles ist nicht verboten, jeder darf seine Meinung äußern – meinetwegen – aber schlau und verantwortungsvoll sind solche Äußerungen und solche Flüge deswegen noch lange nicht. Einige Funktionäre beweisen, dass sie die Bodenhaftung verlieren und nicht verstehen, welche Belastungen und Einschränkungen Corona für viele Menschen bedeutet. Wie unverschämt es rüberkommt, deutsche Regeln mit dem Flug ins Ausland auszuhebeln.

Ich bin grundsätzlich dafür, dass der Profisport - auch der Fußball - rollt, wenn die Hygiene-Konzepte funktionieren. So wie es in der Bundesliga und in der 2. Liga weitgehend der Fall ist. Aber Rummenigge, Flick und die Vielflieger missachten, welche ungeheuren Anstrengungen Sport-Veranstalter weltweit unternehmen müssen und welchen Aufwand Sportlerinnen und Sportler im Basketball, Tennis oder alpinen Skizirkus betreiben müssen, um überhaupt einigermaßen Corona-frei ihrem Beruf nachgehen zu können. Und sie missachten auch ihre Fußball-Berufskollegen.

Ausdehnen der Regeln bringt ganzes Konzept ins Wanken

Gucken wir uns den Hamburger Fußball an. Beim FC St. Pauli gab es bislang noch keinen einzigen positiven Corona-Fall. Beim HSV einen, und der betreffende Spieler hatte sich nicht im HSV-Kreis, sondern bei der U-21-Nationalmannschaft angesteckt. Dass die Hamburger Vereine so wenig betroffen sind, ist sicher auch Glück. Aber wie bei vielen anderen Profi-Vereinen bedeutet es eben auch, dass das aufwendige Hygiene-Konzept eingehalten wird. Und dieses Konzept gerät dann ins Wanken und verliert dann den Rückhalt in der Gesellschaft, wenn die Regeln immer mehr ausgedehnt werden nach dem Motto: "Uns doch egal, was die Leute sagen, fliegen wir halt in der Weltgeschichte umher zum Fußballspielen - wagt ja sowieso keiner, uns zu stoppen."

Dabei müssten gerade die Bayern zurückhaltend sein, die nach ihrer unsinnigen Reise zur Klub-WM nach Katar gleich mit zwei positiven Corona-Fällen zurückgekehrt sind. Spitzensport funktioniert in vielen Bereichen, gerade weil sich Athletinnen und Athleten in einer geschützten Blase aufhalten, die sie vor Corona abschirmt. Manchem Fußball-Funktionär wünsche ich, dass er seine Blase mal verlässt – und erkennt, was außerhalb wirklich los ist.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 20.02.2021 | 08:40 Uhr

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