Klimaschutz für Hamburgs Wohnungen kostet Milliarden

Stand: 12.10.2022 06:37 Uhr

Hamburgs Wohnungseigentümerinnen und -eigentümer müssen ihre Anstrengungen für den Klimaschutz verdoppeln. Das besagt ein aufwendiges Gutachten der Stadtentwicklungsbehörde. Bis 2045 soll das Wohnen klimaneutral sein, so das Senatsziel.

Als einziges Bundesland Deutschlands verfügt Hamburg nun über präzise Daten zum CO2-Verbrauch seiner 262.000 Häuser. Und über Handlungsempfehlungen. Am effektivsten ist eine Modernisierung der Mehrfamilienhäuser, die zwei Drittel der CO2-Emissionen verursachen. Ein Drittel von ihnen ist noch gar nicht saniert. Doch um klimaneutral zu werden, muss bis 2045 auch jedes Einfamilienhaus modernisiert werden.

Mehrkosten für Mieterinnen und Mieter nicht ausgeschlossen

Das kostet, sagt Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD): "Die Gutachter haben ausgeführt, dass das insgesamt Kosten auslösen würde von knapp 33 Milliarden Euro." Die Stadt kann nur einen kleinen Teil übernehmen - zuerst 210 Millionen in vier Jahren. "Wir haben eine große Kraftanstrengung vor uns und sollten anfangen an den gering-investiven Maßnahmen, zum Beispiel an den Heizungsthermostaten", so Stapelfeldt. Mit wenig Geld könne man schon 20 Prozent CO2 einsparen. Doch Mehrkosten für die Mieterinnen und Mieter kann Stapelfeldt nicht ausschließen.

Umbaukosten könnten durch Inflation weiter steigen

Mieterinnen und Mieter nicht zu belasten fordert Heike Sudmann von den Linken: "Gerade jetzt, wo die Heizkosten so stark in die Höhe gehen, ist es ja gut, wenn die Wohnungen besser zu beheizen sind und es günstiger wird. Aber es dürfen nicht die Mieterinnen und Mieter die Zeche bezahlen." Auch die CDU sorgt sich, dass der Klimaschutz die Mieten treibt, hält die Studie aber für umsetzbar und meint, dass die Umbaukosten durch die Inflation noch viel weiter steigen werden.

BIsherige Sanierungen mit wenig Effekt

Das Gutachten hat allerdings auch gezeigt: Bisher hat die Modernisierung der Häuser viel weniger gebracht als gedacht. Bei 70.000 Hamburger Wohnungen hat die Studie erstmals den echten Energie-Verbrauch ermittelt. Das Ergebnis erschreckt: Teuer sanierte, voll wärmegedämmte Wohnungen brauchen nur 19 Prozent weniger Energie als völlig ungedämmte Wohnblocks der Nachkriegszeit.

Studienleiter Professor Dietmar Walberg meint: "Das ist ja der Trugschluss. Der Trugschluss, dass wir durch die rechnerischen Annahmen unterstellen, dass die Gebäude, die nach einem hohen Standard gebaut werden, einen niedrigen Verbrauch haben. Haben sie nicht."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 11.10.2022 | 15:00 Uhr

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