Stand: 12.10.2019 20:41 Uhr

Hamburger Künstlerhof steht vor dem Aus

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Künstlerin Nadine Faulhaber setzt sich für den Erhalt von alten Gebäuden ein.

Mit jedem Strich entsteht etwas Neues, etwas Einzigartiges. Für die Künstlerin Nadine Faulhaber ist ihr Atelier in der Sillemstraße im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel nicht nur Arbeitsplatz, sondern Heimat. "Orte wie dieser waren vor etwa 15 Jahren noch Orte, die tatsächlich teilweise leer standen, nicht gesucht und nicht bedient wurden", sagt die Illustratorin. "Das hat sich in den letzten 12, 15 Jahren natürlich rasant verändert, diese Orte sind entweder platt gemacht worden und anderen modernen Objekten gewichen. Oder aber sie sind teuer saniert worden", sagt Faulhaber. Anders das Gebäudeensemble in der Sillemstraße aus der Gründerzeit. Es ist ein Zufluchtsort geworden, wie es kaum noch welche in der Stadt gibt.

Künstler-Kollektiv.

Eimsbütteler Künstlerhof steht vor dem Aus

Hamburg Journal -

Seit 13 Jahren nutzt ein Künstler-Kollektiv einen alten Gewerbehof in der Sillemstraße in Eimsbüttel. Eine begehrte Wohnlage - und nun hat der Vermieter andere Pläne.

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Vom Schrotthandel zum Eimsbüttler Kleinod

In den vergangenen 13 Jahren ist aus dem ehemaligen Schrotthandel ein Eimsbüttler Kleinod für Künstler geworden. Den Mietern in der einen Haushälfte ist allerdings bereits zum kommenden März gekündigt worden. Nun droht auch der anderen Hof-Hälfte das Aus - und das, obwohl noch ein Pachtvertrag bis 2026 besteht.

Die Pläne des Investors sehen Eigentumswohnungen vor. "Eimsbüttel ist ein sehr, sehr dicht bevölkerter Stadtteil, es sind sehr viele Familien und Kinder hier und Menschen brauchen Möglichkeitsräume", kritisiert Faulhaber das Vorhaben des Eigentümers. "Menschen brauchen Flächen, wo sich ausdrücken, treffen und ein Miteinander haben können."

Wohnungen statt Ateliers

Bislang zahlen die Künstler vier Euro pro Quadratmeter für die zugigen Hallen. Die genauen Absichten, die der Eigentümer hat, sind für viele hier noch unklar. Dem NDR erklären die Anwälte, die den Gebäude-Eigner vertreten, schriftlich:

"Mittelfristig kann die alte Gebäudesubstanz aufgrund ihres baulichen Zustandes nicht erhalten bleiben. Für die entsprechende zukünftige Nutzung plant unsere Mandantin in dem dortigen Millieuschutzgebiet den Neubau von dringend benötigtem bezahlbarem Wohnraum für Familien. Eine erstellte Planung sieht die Errichtung von 35 - 40 entsprechenden Wohnungen auf der Fläche vor."

Beschluss zum Erhalt des Künstlerhofes

Schon in der vergangenen Legislaturperiode gab es im Bezirk einen Beschluss der damaligen rot-grünen Mehrheit zum Erhalt des Künstlerhofes "Sillemsalabim". Auch nach der Bezirkswahl im Mai mit der jetzt neuen grün-schwarzen Mehrheit wird die Sillemstraße explizit im Koalitionsvertrag genannt.

"Wir möchten da, wo einfach ein bisschen Platz ist, keinen Klotz hinstellen, um Wohnungsbau zu generieren", sagt Ali Mir Agha, von der Bezirksfraktion der Grünen in Eimsbüttel. "Für uns gilt es, für alle Eimsbüttlerinnen und Eimsbüttler Wohnungs- und Lebensqualität zu haben. Wenn es da eine Möglichkeit gibt, und dafür setzen wir uns auch auf der Länderbene ein, würden wir es sehr begrüßen, wenn die Finanzbehörde dort Vorkaufsrechte nutzt."

Finanzbehörde sieht keinen Handlungsspielraum

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Künstler Till Haupt kritisiert, dass in Wohngebieten von Menschen Profit gemacht wird.

In der Hamburger Finanzbehörde sieht man die Hände gebunden. Der private Investor habe freie Hand. "Wer sagt eigentlich, dass es ein Recht darauf gibt, hier in einem Wohngebiet von Menschen Profit zu machen?", fragt Künstler Till Haupt, der auch im dem Eimsbüttler Künstlerhof arbeitet. "Um uns herum sind mehrere Hundert Leute und die haben alle kein Interesse daran, dass hier gebaut wird, weil deren Lebensqualität verändert sich dadurch, dass hier jemand ein paar Mark macht."

Die Zeit für die Musiker und Künstler in der Sillemstraße läuft ab. Eine Lösung muss her. Die ersten Künstler packen bereits ihre Sachen. Bald ziehen sie weit vor die Tore der Stadt. Eimsbüttel fehlt dann wohl mehr, als nur ein alter Gewerbehof.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 12.10.2019 | 19:30 Uhr

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