Hamburger Kältebus ist jetzt als Hitzebus unterwegs

Stand: 25.07.2021 15:58 Uhr

Dass Obdachlose im Winter Hilfe benötigen ist den meisten klar. Doch auch im Sommer haben Wohnungslose mit den Temperaturen zu kämpfen. Darum ist der Hamburger Kältebus im Moment ein Hitzebus.

Das Zelt von Mirko an der Hamburger Elbchaussee ist leer. Susanne Diem lässt dem Obdachlosen mit einem kleinen Kuchen einen süßen Gruß da. Dann macht sie sich mit ihrem Kollegen Ronald Kelm auf in die Innenstadt. Gerade jetzt im Sommer wird ihre Hilfe benötigt. "Die obdachlosen Menschen in dieser Stadt haben nicht so einfach Zugang zu Trinkwasser", sagt Diem. Außerdem seien sie nicht immer in der Lage, zu reflektieren, dass sie bei Hitze viel trinken müssten - und ihre Platten lägen oft in der prallen Sonne. "Deshalb ist es wichtig, dass sie viel trinken, um nicht zu dehydrieren", ergänzt die ehrenamtliche Helferin.

Drei Tage pro Woche kommt der Hitzebus

Eine ehrenamtliche Helferin hockt vor dem Zelt eines Obdachlosen.
Hauptberuflich ist Susanne Diem Flugbegleiterin, in ihrer Freizeit hilft sie Obdachlosen.

Eigentlich arbeitet Diem als Flugbegleiterin, für Touren wie diese opfert die 57-Jährige ihre Freizeit. An den St. Pauli Landungsbrücken verteilt sie Sandwiches an Obdachlose, dann geht es weiter nach Sankt Georg. Auf der Langen Reihe und später auf der Reeperbahn trifft sie weitere wohnungslose Menschen, verteilt auch dort etwas zu essen und vor allem Wasser. Drei Mal pro Woche ist der Kältebus momentan als Hitzebus im Einsatz.

"Wasserflaschen an Fremde verschenken"

"Wir appellieren auch immer ganz gern an die Mitmenschen, auch immer mal eine zweite Flasche Wasser mitzunehmen, wenn man auf die Straße geht und das an irgendjemanden zu verschenken", sagt Diem. Damit könne man auch schon gut helfen, denn ohne Ehrenamtliche und ohne Engagement von Bürgerinnen und Bürgern sähe es ganz gruselig aus für die Wohnungslosen in Hamburg.

Auch Drogerieartikel werden verteilt

Ein sogenannter Hotspot für Obdachlose ist auch die Südseite des Bahnhofs Altona. Hier trifft Diem auf Conny und Heiko, die beide Isomatten gebrauchen. Auch Taschentücher bekommen sie von er ehrenamtlichen Helferin und Masken - die brauchen natürlich auch sie, wenn sie den Bahnhof betreten wollen.

Hilfe vor Ort

Auf ihren Touren fahren die Ehrenamtlichen immer die ihnen bekannten Platten an, also Orte, an denen Menschen auf der Straße leben, erzählt Diem. "Wenn wir dabei Hilfsbedürftige treffen, die durch das Hilfsraster rutschen, wenn wir die ausstatten können, egal, ob mit Isomatte oder Getränken, dann macht einem das schon ein ganz gutes Gefühl", sagt sie. Denn Menschen wie sie, könnten den Sommer in Hamburg sonst sehr viel schlechter überstehen.

Weitere Informationen
Die Helfer des Kältebusses in Hamburg helfen Obdachlosen.

Unterwegs mit dem Kältebus für Obdachlose

Im neuen Jahr sind schon fünf Obdachlose gestorben - etwa 2.000 gibt es laut Sozialbehörde in Hamburg. Hilfe bietet der Kältebus. (11.01.2021) mehr

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 24.07.2021 | 19:30 Uhr

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