Hamburg macht Solarzellen zur Pflicht und erntet Kritik

Stand: 22.12.2020 18:04 Uhr

Hamburg will mit einer Pflicht zu Solardächern im Klimaschutz vorangehen. Doch die am Dienstag vom Senat vorgelegten Regelungen stoßen auf heftige Kritik.

Schon 2023 müssen auf allen Neubauten Photovoltaik-Anlagen zur Stromproduktion installiert werden. Das sieht das Hamburger Klimaschutzgesetz vor, das der Senat jetzt kurz vor Jahresende präzisiert hat. Bereits ab Mitte des kommenden Jahres sollen außerdem beim Austausch von Heizungen 15 Prozent des Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen kommen.

Kerstan will Klimaziele erreichen

Um die Pariser Klimaziele zu erreichen, müsse auch Hamburg große Anstrengungen unternehmen, sagte Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne). "Einen wesentlichen Beitrag können und müssen wir alle bei den Gebäuden über erneuerbaren Strom und klimafreundliche Wärme erreichen", so der Senator. "Gerade im dicht bebauten städtischen Bereich gilt es, geeignete Flächen zu nutzen, am besten mehrfach."

Weniger CO2-Ausstoß und Impulse für Corona-gebeutelte Wirtschaft

Laut Umweltbehörde ergibt sich allein aus der Photovoltaik-Pflicht eine mögliche Einsparung von 60.000 Tonnen CO2 bis 2030. Der verstärkte Ausbau von Solar- und modernen Wärmeanlagen biete außerdem mit Blick auf die wirtschaftlichen und konjunkturellen Folgen der Corona-Pandemie die Chance, die lokale und regionale Wirtschaft und Wertschöpfung zu stärken und gleichzeitig die Energiewende noch schneller voranzubringen.

Wohnungswirtschaft verärgert

Bei den Verbänden der Wohnungswirtschaft sorgen die Regelungen für Verärgerung. Sie nannten die Entscheidung "rücksichtslos, selbstherrlich und wenig vertrauenserweckend". Dass man nicht eingebunden war, sei ein "Bruch mit den guten Sitten", so die Verbände der Grundeigentümer und der Wohnungsunternehmen.

Warnung vor steigenden Mieten

Die Rechtsverordnung bedeute für Hunderttausende Mieterinnen und Mieter höhere Wohnnebenkosten, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Verbände BFW Landesverband Nord, Grundeigentümer-Verband Hamburg, IVD Nord und Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen.

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 22.12.2020 | 19:30 Uhr

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