Stand: 28.02.2018 17:30 Uhr

Hamburg hat einen neuen Feiertag

In Hamburg ist ab diesem Jahr der 31. Oktober frei: Die Hamburgische Bürgerschaft hat am Mittwoch dafür gestimmt, dass der Tag der Reformation auch in der Hansestadt zum gesetzlichen Feiertag wird.

Zusätzlich gibt es ein besonderes Angebot, um die freie Zeit zu gestalten: An jedem 31. Oktober soll der Eintritt in die öffentlichen Museen gratis sein, damit sich die Hamburger mit Stadtgeschichte, Kunst und Kultur auseinandersetzen können. Die Einnahmeausfälle werden den Museen aus zentralen Mitteln der Stadt erstattet.

"Kein Luther-Gedenktag"

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In diesem Jahr ist der 31. Oktober ein Mittwoch.

"Es soll kein Luther-Gedenktag werden", sagte SPD-Fraktionschef Andreas Dressel. Der Tag der Reformation werde in der Hansestadt nicht ein rein protestantischer, sondern ein interreligiöser Feiertag. Ähnlich äußerte sich die Grünen-Abgeordnete Stefanie von Berg: "Für mich steht der 31.10. dafür, dass unsere Gesellschaft immer wieder Erneuerung braucht. Dass Missstände benannt werden und auch Werte und Prinzipien neu überdacht werden."

Weil Schleswig-Holstein sich bereits auf den 31. Oktober festgelegt habe und Niedersachsen und Bremen voraussichtlich nachzögen, gebe es auch "ganz praktische Gründe für den Tag", sagte CDU-Fraktionschef André Trepoll. "Denn wenn wir Pendler haben, die nach Niedersachsen pendeln und dort arbeiten müssen, aber die Schulen hier in Hamburg oder die Kitas geschlossen haben, dann macht das auch keinen Sinn." Die Hamburger hätten sich einen zusätzlichen Feiertag verdient, der Abstand zum Süden bei der Zahl der Feiertage sei dann noch immer groß.

66 von 121 stimmten dafür

Die CDU-Fraktion hatte zusammen mit Abgeordneten der SPD und der Grünen einen entsprechenden Gruppenantrag eingebracht. Am Ende stimmten 66 Unterstützer von 121 Abgeordneten für den 31. Oktober. Keine Mehrheit fanden drei andere Vorschläge für einen zusätzlichen Feiertag: Der Tag der Befreiung am 8. Mai, also die Kapitulation Hitler-Deutschlands 1945, der Internationale Frauentag am 8. März und der Tag des Grundgesetzes am 23. Mai.

"Tag der Reformation" statt "Reformationstag"

Als Zeichen dafür, dass der neue Feiertag kein rein protestantischer Feiertag werden soll, wurde der Name "Tag der Reformation" statt "Reformationstag" gewählt. Die FDP-Fraktion bezeichnete das als Wortklauberei. Ein zusätzlicher Feiertag sei unnötig, sagte Fraktionschefin Anna von Treuenfels-Frowein. Er schade nicht nur der Wirtschaft - viele Berufsgruppen müssten ohnehin arbeiten. Die FDP-Fraktion kritisierte außerdem scharf, dass es keine ergebnisoffene Parlamentsdebatte gab: Schließlich hätten sich die norddeutschen Regierungschefs bereits vor Wochen darauf verständigt, den 31. Oktober zum gemeinsamen Feiertag im Norden zu machen.

Der Reformationstag erinnert an Martin Luthers Anschlag seiner 95 Thesen vor 500 Jahren am 31. Oktober 1517 an die Schlosskirche in Wittenberg (Sachsen-Anhalt). Dieser Tag gilt als Geburtsstunde der Reformation. In den Thesen kritisierte Luther etwa den Ablasshandel zum Sündenerlass, mit dessen Einnahmen der Petersdom in Rom erneuert werden sollte. Luther kritisierte das als einen Missbrauch und rief zur Rückbesinnung auf die Bibel auf.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 28.02.2018 | 17:00 Uhr

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