Stand: 15.03.2019 10:09 Uhr

Stillgelegte Telefonzelle wird Mini-Bibliothek

von Petra Volquardsen

Im Hamburger Stadtteil Tonndorf gibt es viel Natur, ein Einkaufszentrum und scheinbar alles, was man braucht. Doch was tun, wenn der Stadtteil, in dem man lebt, zwar schön zum Wohnen ist aber kulturelle Angebote und Treffpunkte fehlen? Anwohnerin Steffi Karsten hat sich kurzerhand dazu entschieden, selbst etwas auf die Beine zu stellen. Ihr Motto: Nicht immer nur fordern, sondern machen. NDR Info hat die Tonndorfer "Bücherzelle" besucht.

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Steffi Karsten (3.v.l.) und ihre regelmäßigen Besucher Emil und Linus. Nachbarin Renate Mardfeldt ist durch ihren regelmäßigen Einsatz zur Patin der "Bücherzelle" geworden.

Auf dem Bürgersteig an der Tonndorfer Hauptstraße, gegenüber vom Einkaufszentrum, steht das Stadtteil-Projekt von Steffi Karsten. Die Anwohnerin gestaltete eine ehemalige Telefonzelle zu einer Mini-Bücherei um. Auf kleinstem Raum befindet sich ein L-förmiges Regal, in dem etwa 200 Bücher Platz finden.

Dahinter steckt eine gemeinschaftliche Idee: Jeder, der Bücher übrig hat, kann sie in die "Bücherzelle" bringen und dafür andere mit nach Hause nehmen. Adrian, der ganz in der Nähe wohnt, kommt regelmäßig her. Diesmal lässt er drei Bücher dort und guckt sich um, was ihn noch interessieren könnte. "Es gibt so viele Themen", sagt er. "Sachbücher, Kinderbücher."

Die Tonndorfer Bücherzelle

Inspiration für "Bücherzelle" stammt aus Hannover

Die Tonndorfer Buecherzelle wird gestaltet © Steffi Karsten Foto: Steffi Karsten

Eine Bibliothek braucht gar nicht viel Platz

NDR Info - Aktuell -

Was tun, wenn der Stadtteil, in dem man lebt, zwar schön zum Wohnen ist, aber kulturelle Angebote fehlen? Einfach selbst etwas auf die Beine stellen! Ein Beispiel aus Hamburg.

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Steffi Karsten wohnt seit zehn Jahren im Stadtteil. Vorher hat sie schon in vielen anderen Ecken Hamburgs gelebt, etwa im Schanzenviertel oder in Ottensen. Neu in Tonndorf fällt ihr auf, was den Stadtteil ausmacht: "Es gibt Natur und es gibt Wohnraum den man bezahlen kann." Gleichzeitig merkt sie aber auch, was fehlt: "Ein kultureller Ort, an dem Menschen sich begegnen können."

Im Internet liest sie von einem Bücherschrank in Hannover. Und kurze Zeit später las sie, dass die Telekom ihre ausgemusterten Telefonzellen veräußert. Kurzerhand kauft sie eine der Zellen. Eine Bekannte organisiert den Transport, ein Tischler aus dem Stadtteil baut die Regale, eine Tiefbaufirma hilft beim Aufstellen. Natürlich sind auch viele Abstimmungen mit Behörden nötig. "Mir war klar, so eine Telefonzelle kann man nicht einfach im öffentlichen Raum aufstellen. Aber alle waren dem Projekt sehr zugetan."

Generationsübergreifender Treffpunkt im Stadtteil

Beim Sortieren und beim Saubermachen hilft Nachbarin Renate Mardfeldt: "Ich bin die Dienstags-Frau. Ich sortiere die Bücher aus. Mir macht das Spaß. Ich komme ins Gespräch mit den Mitlesern." Auch Emil und Linus, zehn und neun Jahre alt, sind schon fündig geworden. Sie nehmen ein paar Simpsons Comics und ein Donald-Duck-Buch mit und haben auch selbst was abzugeben. "Wir haben Bücher von Linus' kleinem Bruder dabei, Kleinkinderbücher."

Rund 500 Euro hat Steffi Karsten für das Projekt aus eigener Tasche gezahlt. "Mancher Sport kostet übers Jahr wahrscheinlich viel mehr, ein kleiner Städtetrip auch. Wenn die Menschen das nutzen, war es das alle Mal wert." Nach vier Jahren Bücherzelle will sie auch andere ermutigen, aktiv zu werden: "Man müsste mal was machen. Ja, macht es! Delegiert das 'Man müsste mal' nicht an die Politik. Wenn ihr wirklich wollt, dass etwas zum Leben erweckt wird, dann nehmt es in die Hand."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 15.03.2019 | 10:20 Uhr

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