S-Bahn-Chef Arnecke, Bürgermeister Tschentscher und Verkehrssenator Tjarks stellen ein S-Bahn-Projekt vor. © NDR Foto: Reinhard Postelt

Pendler sollen mit Hamburgs S-Bahnen schneller unterwegs sein

Stand: 02.10.2021 09:11 Uhr

Vor allem der Einsatz erneuerter Stellwerke soll Hamburgs S-Bahnen pünktlicher machen. Ziel ist, dass durch digitale Technik mehr Züge in engerer Taktung auf den Gleisen fahren.

Die Signaltechnik im Hamburger S-Bahnnetz ist zum Teil marode. Bahn und Hamburger Senat wollen die Technik auswechseln und vollautomatisch fahrende Züge einsetzen. S-Bahn-Geschäftsführer Kay Uwe Arnecke kündigte an, die 50 bis 80 Jahre alten Stellwerke würden nun Schritt für Schritt modernisiert. Digitale Stellwerke würden sehr viel zuverlässiger arbeiten.

Erste Teststrecke nach Bergedorf

Bereits ausgerüstet ist die Strecke Berliner Tor nach Bergedorf. Hier rollen seit einem Jahr im Testbetrieb Deutschlands erste vollautomatische S-Bahnen. Die mit Radar ausgerüsteten S-Bahnen fahren mit weniger Abstand. Am Freitag hat S-Bahn-Geschäftsführer Arnecke die Ergebnisse der Studie vorgestellt: "Das System der digitalen S-Bahn schafft etwa 30 Prozent mehr Kapazität. Das ist eine enorme Steigerung. Wir haben aber auch die Möglichkeit, die Folgeverspätungen um 40 Prozent zu reduzieren."

Lokführer überwacht nur noch

Mit Hilfe der automatischen Zugsteuerung fährt die Bahn nahezu von selbst. Der Lokführer oder die Lokführerin bleibt an Bord und überwacht die Fahrt, muss aber nur in Notfällen eingreifen - etwa wenn etwas auf den Gleisen liegt oder Fahrgäste die Türen blockieren. Der erste umgerüstete Zug der Baureihe 474 soll am 11. Oktober zum ITS-Kongress vorgestellt werden, mit einer Jungfernfahrt auf der Linie zwischen dem Berliner Tor und Bergedorf (S21).

Bis 2030 soll Umstellung fertig sein

"Die Digitalisierung hat ein großes Potenzial für das gesamte Hamburger S-Bahn-Netz. Es schafft auf den vorhandenen Gleisen größere Kapazitäten, höhere Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit beim Bahnfahren", sagte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) am Freitag. Bis zum Ende des Jahrzehnts sollen alle Hamburger S-Bahnen digital gesteuert werden. Laut Studie wird die Umrüstung rund 800 Millionen Euro kosten. Allein die Modernisierung und der Bau neuer Stellwerke erforderten Investitionen von 620 Millionen Euro.

Langfristiges Ziel: Öffentlichen Nahverkehr attraktiver machen

Der Senat will ab 2030 den "Hamburg-Takt" einführen. Dieser sieht vor, dass Menschen innerhalb von fünf Minuten Bus, U- und S-Bahn oder andere Mobilitätsangebote in Anspruch nehmen können.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 02.10.2021 | 10:00 Uhr

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