"Abendblatt"-Chefredakteur Lars Haider, 49, im Interview mit ZAPP. © NDR

Hacker-Angriff auf das "Hamburger Abendblatt"

Stand: 23.12.2020 17:49 Uhr

Das "Hamburger Abendblatt" ist - wie die ganze Funke Mediengruppe - Ziel eines Hacker-Angriffs geworden. Am Mittwoch konnte nur eine Notausgabe des "Abendblatts" erscheinen. Die Hintergründe sind noch unklar. Im Interview mit dem NDR 90,3 Kulturjournal spricht Chefredakteur Lars Haider über die Dimensionen der Attacke und die Folgen für die Zeitung.

Wie groß ist der Schaden?

Lars Haider: Wir haben gestern zwischendurch gedacht, wir würden heute gar nicht mehr erscheinen, weil alle unsere Systeme nicht mehr funktioniert haben. Wir haben es gestern geschafft, immerhin eine Acht-Seiten-Ausgabe zu machen, und wir schaffen heute - und das ist ein großer Schritt - eine Weihnachtsausgabe zu machen, die 20 Seiten hat. Aber wir mussten quasi von Null anfangen.

Wann und wie haben Sie den Angriff bemerkt?

Haider: Wir haben es gestern morgen bemerkt. Da gab es technische Schwierigkeiten. Da dachten wir noch, dass einfach ein Server abgestürzt sein könnte. Doch dann verdichteten sich die Anzeichen, dass gar nichts funktionierte. Schließlich ist man darauf aufmerksam geworden, dass sich - in welcher Form auch immer - ein fremder Virus in die Systeme gewühlt hatte. Wir dachten, wir müssen uns mit Corona um einen Virus kümmern, und jetzt haben wir noch einen anderen. Stellen Sie sich vor, Sie gehen ins Büro, und nichts von dem, was da steht, funktioniert. Gar nichts!

Sind sensible Daten betroffen?

Haider: Da kann ich nichts zu sagen. Im Moment sind die Redaktionssysteme so, dass sie nicht funktionieren. Das sind ja hochsensible Geschichten, die wir brauchen, um eine Zeitung zu machen.

Steckt da eine Erpressung dahinter?

Da kann ich gar nichts zu sagen.

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Wie arbeiten Sie jetzt weiter?

Es war ja schon vorher ein interessanter Redaktionsalltag, weil wir seit zehn Monaten im Homeoffice arbeiten. Wir sind jetzt aber auch auf ein anderes System umgestiegen, mit dem wir normalerweise unsere Hochglanzmagazine, die zweimal im Monat erscheinen, produzieren. Dieses System ist nicht betroffen.

Wie geht es Ihnen denn mit dieser ganzen Geschichte, die über Sie hereingebrochen ist?

Das ist wirklich furchtbar. Es war ja für alle und auch für die Medien kein einfaches Jahr, und wir hatten gehofft, dass wir alle Weihnachten mal durchschnaufen können. Nun müssen alle die, die eigentlich frei hatten, reinkommen. Wir arbeiten quasi rund um die Uhr. Das Schlimmste daran ist, dass das Abendblatt nicht in der Form erscheinen kann, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir hatten eine ganz, ganz tolle Weihnachtsausgabe geplant zum Thema "Weihnachten in der Pandemie". All das funktioniert nicht, und das ist schon echt bitter.

Wann kann das "Abendblatt" wieder normal erscheinen?

Wir hoffen, dass das bald geht. Wir sind schon auf einem ganz guten Weg. Ich denke, wir werden in der kommenden Woche die Zahl der Seiten wieder deutlich erhöhen können. Das kann ja von einem Tag auf den anderen wieder besser laufen, das hängt ja damit zusammen, wie man den Virus in den Griff kriegt. Auf jeden Fall tun wir alles dafür, dass das Abendblatt wieder so erscheinen kann, wie es unsere Leserinnen und Leser kennen.

Das Gespräch führte Emine Cekirge.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 23.12.2020 | 19:10 Uhr

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