Stand: 03.03.2018 08:40 Uhr

HSH Nordbank: Pleite für Hamburg

von Volker Frerichs
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Volker Frerichs kommentiert den Verkauf der HSH Nordbank.

Die HSH Nordbank ist verkauft. Die Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein wird von amerikanischen und britischen Finanzinvestoren übernommen. Das Abenteuer Landesbank kostet die beiden Länder bis zu 14 Milliarden Euro.

Demut. Das ist ein oft genutztes Wort in diesen Tagen. Demütig sollten alle die sein, die den ganzen Schlamassel rund um die HSH Nordbank angerichtet haben. Die verantwortlichen Politiker in den Aufsichtsräten der Landesbank. Oder die ehemaligen HSH-Nordbank-Manager, die Hunderte Millionen Euro in windigen Geschäften verbrannt haben. Außer Acht gelassen wird dabei allerdings ein anderer Berufsstand: die Reeder. Sie kauften und finanzierten viel zu viele Schiffe, die niemand mehr brauchte.

HSH-Krise: Reeder mitverantwortlich

Seit Beginn der Krise zahlten die meisten Reeder nicht einmal mehr die Zinsen für ihre Kredite bei der HSH Nordbank. Und einige profitierten dann sogar noch von sagenhaften Schuldenschnitten. Die Reeder haben einen Großteil der HSH-Nordbank-Verluste verursacht. Auch sie sind dafür verantwortlich, dass die Stadt Hamburg und damit am Ende die Steuerzahler bis zu sieben Milliarden Euro verlieren. Gewinne in die eigene Tasche zu stecken und den Verlust auf die Allgemeinheit abzuwälzen, das ist moralisch verwerflich und eine dreiste Unverschämtheit. 

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Zum großen Pleitegeier

Natürlich trägt auch die HSH Nordbank selbst einen erheblichen Teil der Schuld am Desaster mit den Schiffskrediten. Noch heute berichten Reeder aus Hamburg und dem Umland, wie sie damals eigentlich nur ein Containerschiff kaufen wollten und die Berater der HSH Nordbank ganz lässig fragten: Warum denn nur eins? Warum denn nicht zwei oder drei oder vier?

Geld, abgesichert durch die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein, gab es ja in Hülle und Fülle. Und es musste unter die Leute gebracht werden. Auf ausreichende Sicherheiten schaute damals niemand mehr. Auch die Politik trägt eine Mitschuld an dieser Praxis. Man wollte doch ein Global Player sein. Im Konzert der ganz Großen sollte die kleine Landesbank mitspielen. Und nur allzu gern schmückte man sich damals, Anfang der 2000er, mit dem Titel "HSH Nordbank - größter Schiffsfinanzierer der Welt".

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Chronologie einer Skandalbank

28.02.2018 19:30 Uhr
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Begonnen hatte bei der Hamburgischen Landesbank in den 1980er Jahren alles ganz bodenständig. Aber faule Kredite und der weltweite Finanzcrash 2008 läuteten den Niedergang ein. Video (02:39 min)

Reeder beklagen sich noch

Wie gesagt, es wird viel geredet in diesen Tagen. Über die HSH Nordbank, über die Gründe für den Niedergang der Landesbank, über das gesunkene Ansehen von Politikern und Bankvorständen. Wissenschaftler, echte und vermeintliche Experten und ganze Landesparlamente streiten darüber, welche Lehren man aus dem Desaster ziehen muss.

Nur die Reeder beklagen sich sogar noch darüber, dass ihre alten Restkredite bei der HSH Nordbank nun tatsächlich bald mal fällig werden könnten. Demut klingt anders.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 03.03.2018 | 08:40 Uhr

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