Stand: 16.09.2020 14:16 Uhr  - NDR 90,3

Gewerkschaften wollen gerechtere Verteilung von Corona-Lasten

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Hamburg hat mehr Gerechtigkeit bei der Verteilung der Corona-Lasten gefordert. "Je ärmer, desto verheerender sind die Folgen von Corona für jeden Einzelnen. Wir brauchen ein Umdenken, um eine noch größere soziale Spaltung der Gesellschaft zu verhindern", sagte Hamburgs DGB-Chefin Katja Karger am Mittwoch. Dazu gehöre, Vermögende stärker an den Folgekosten zu beteiligen, den Sozialstaat auszubauen und die Qualifizierung von Beschäftigten voranzutreiben.

VIDEO: Corona-Krise: Gewerkschaften in Sorge (2 Min)

Stadt soll Hilfszahlungen an Job-Garantien knüpfen

Karger forderte außerdem, dass die Stadt Hilfszahlungen an Job-Garantien knüpfen soll. Für sie ist die Friseurkette Klier ein Negativbeispiel. Das Unternehmen habe einerseits wegen ausbleibender Umsätze ein Schutzschirmverfahren beantragt, stehe aber andererseits in den Schlagzeilen, weil es über Gerichtsprozesse versuche, seine Betriebsrätinnen in Norddeutschland loszuwerden. Mit Blick auf den anstehenden Beteiligungsfonds der Stadt Hamburg für mittelständische Unternehmen fordert der DGB Job-Garantien als Grundvoraussetzung für eine Unterstützung.

"Kein Personalabbau unter dem Deckmantel der Pandemie"

Bei dem Treffen von Vertretern aller acht DGB-Gewerkschaften in Hamburg mit ihren rund 165.000 Mitgliedern warnte der Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Region Hamburg, Emanuel Glass, Unternehmen davor, unter dem Deckmantel der Pandemie Personal abzubauen. "Wir fordern in diesen Fällen Verhandlungen über Perspektiven und Beschäftigungssicherung ein." Airbus hatte beispielsweise angekündigt, in Norddeutschland mehr als 3.000 Stellen zu streichen.

"Tarifverträge auf Augenhöhe"

Die stellvertretende ver.di-Landesbezirksleiterin Sieglinde Frieß sagte, es gelte erreichte Absicherungen - auch für Soloselbstständige - nun zu verstetigen und Perspektiven zu entwickeln. Ver.di erwarte "politische Beteiligung und Tarifverträge auf Augenhöhe". Ein wichtiger Gradmesser seien dabei die Ergebnisse im Öffentlichen Dienst, beim Nahverkehr und im Sozial- und Erziehungsdienst.

Bildungssystem soll "pandemiesicher" aufgestellt werden

Der stellvertretende Vorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW, Fredrik Dehnerdt, forderte: "Das schulische Ausbildungssystem muss pandemiesicherer als bisher aufgestellt werden, auch um die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit zu sichern."

"Virus darf uns nicht um Jahre zurückwerfen"

"Ein Virus darf uns nicht in der Lohnentwicklung um Jahre zurückwerfen", betonte Anne Widder von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Hamburg-Elmshorn. Es dürfe auch nicht dazu führen, dass die Existenzen der Beschäftigten gefährdet und junge Menschen in den Betrieben nicht ausgebildet werden.

Der Bezirksvorsitzende der IG BAU Hamburg, Matthias Maurer, betonte, auf dem Bau oder in der Gebäudereinigung sei zuletzt oft sogar härter gearbeitet worden als vor der Corona-Pandemie. "Dafür erwarten wir nicht nur Anerkennung und einen wirkungsvollen Infektionsschutz am Arbeitsplatz, sondern auch respektvolle Angebote der Arbeitgeber in den Tarifverhandlungen." Bislang seien diese aber ausgeblieben.

Weitere Informationen
Ein Virus schwebt vor einer Menschenmenge (Fotomontage) © panthermedia, fotolia Foto: Christian Müller

Coronavirus in Hamburg: Nachrichten und Hintergründe

Wie geht es Hamburg mit der Corona-Pandemie? Welche Beschränkungen gibt es, welche Lockerungen? Hier finden Sie die aktuellen Zahlen, Nachrichten, Videos und Hintergründe. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 16.09.2020 | 16:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

Aktenordner liegen auf einem Tisch. © photocase.de Foto: John Dow

Statt Papierbergen: Hamburger Justiz startet mit E-Akten

Die Zeit der Aktenberge an Hamburger Gerichten soll zu Ende gehen: Stattdessen werden jetzt Stück für Stück elektronische Akten eingeführt. Den Anfang machte jetzt das Landgericht. mehr

Aktivisten von "Fridays for Future" und BUND demonstrieren auf dem Fischmarkt in Hamburg mit einem Banner mit der Aufschrift "Endliche Ressourcen, Unendliche Ignoranz", um auf den globalen Erdüberlastungstag 2020 aufmerksam zu machen. © picture alliance / dpa Foto: Ulrich Perrey

"Fridays for Future": Demo soll kleiner werden

Eigentlich sollte die "Fridays for Future"-Demo am Freitag in Hamburg wieder größer ausfallen. Doch die Sozialbehörde will statt der geplanten 10.000 nur noch 2.000 Teilnehmer zulassen. mehr

HSV-Profi Toni Leistner nach dem Pokal-Aus bei Dynamo Dresden. © imago images/Steffen Kuttner Foto: Steffen Kuttner

HSV: DFB-Sportgericht ändert Leistner-Sperre

Toni Leistner und Zweitligist HSV haben mit ihrem Einspruch gegen das erste Urteil des DFB-Sportgerichts Erfolg gehabt. Der Defensivspieler ist schon am 4. Oktober wieder spielberechtigt. mehr

Stefanos Tsitsipas schlägt auf. © picture alliance/Daniel Bockwoldt/dpa Foto: Daniel Bockwoldt

Tennis: Top-Favorit Tsitsipas am Rothenbaum weiter

Top-Favorit Stefanos Tsitsipas steht beim ATP-Turnier in Hamburg im Viertelfinale. Auch der Norweger Casper Ruud kam weiter. Der NDR überträgt live vom Rothenbaum. mehr