Stand: 23.07.2018 13:18 Uhr

Gedenken an Opfer der "Operation Gomorrha"

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Hamburgs Bürgermeister Tschentscher (SPD) bei der Kranzniederlegung am Mahnmal St. Nikolai.

In dieser Woche jährt sich der Hamburger Feuersturm zum 75. Mal. Rund 34.000 Hamburger starben bei der "Operation Gomorrha", große Teile der Stadt und des Hafens wurden zerstört. Hamburg hat am Sonntag in der Hauptkirche St. Michaelis der Opfer der Luftangriffe von 1943 gedacht. Zuvor wurde am Mahnmal St. Nikolai ein Kranz niedergelegt. Neben Hamburgs Erstem Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hielten bei der öffentlichen Gedenkstunde im Michel auch die evangelische Bischöfin Kirsten Fehrs und der katholische Erzbischof Stefan Heße Ansprachen.

Tschentscher: Aufforderung, sich für Demokratie starkzumachen

Tschentscher sagte, die Erinnerung an die "Operation Gomorrha" und die nationalsozialistische Zivilisationszerstörung diene immer auch als Mahnung und Aufforderung, sich heute für Demokratie und Menschenrechte sowie für die freiheitlich demokratische Grundordnung starkzumachen. "Das ist unsere eigene historische Verantwortung für den Schrecken des Zweiten Weltkrieges, der sich in den Sommertagen des Jahres 1943 mit der 'Operation Gomorrha' in besonderer Härte gegen die Freie und Hansestadt Hamburg gerichtet hat."

Dabei werde an diesem Tag aber nicht nur der Opfer der "Operation Gomorrha", sondern auch der Opfer von Bombardierungen der Alliierten in Lübeck und Rostock, Köln, Dresden und weiteren Städten in Deutschland gedacht, so Tschentscher. Das Gedenken gelte auch den Opfern deutscher Angriffe auf Coventry, Rotterdam, Belgrad, Warschau und auf viele andere Städte in Europa, in Polen, Russland, Frankreich, Großbritannien und anderen Ländern.

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Bischöfin Kirsten Fehrs erinnerte an den Schmerz und die Verzweiflung der Opfer.
Fehrs: Mahnung gegen den Krieg

Nordkirchen-Bischöfin Fehrs erinnerte an den Schmerz, die Verzweiflung und Todesnot der Opfer. Es sei wichtig, im Friedensmahnmal St. Nikolai "ein sichtbares Zeichen für diese Erinnerungskultur" zu haben. Es gelte, sich immer wieder dafür einzusetzen, dass "nie wieder Gotteshäuser und Wohnhäuser zerbombt werden und nie wieder Menschen im Feuersturm zu Asche werden". Blicke auf Syrien zeigten, dass diese Mahnung "immer wieder nicht gehört wird". Umso dringlicher sei es, gemeinsam mit Menschen aller Religionen zu betonen, "dass Krieg nach Gottes Willen nicht sein darf".

Heße: Nationalsozialistisches Deutschland hat Krieg ausgelöst

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Erzbischof Stefan Heße sagte: "Wir müssen die Vergangenheit erinnern, um Menschen mit Zukunft zu sein".

Hamburgs Erzbischof Heße erinnerte daran, dass es das nationalsozialistische Deutschland gewesen sei, das diesen furchtbaren Krieg ausgelöst habe. Dies habe letztlich auch den Feuersturm über Hamburg hereinbrechen lassen. "Wir müssen die Vergangenheit erinnern, um Menschen mit Zukunft zu sein", sagte er.

Ganze Straßenzüge ausradiert

Bei der "Operation Gomorrha" der Alliierten starben vom 24. Juli bis 3. August 1943 rund 34.000 Menschen in der Hansestadt, etwa 125.000 wurden verletzt. Der Oberbefehlshaber der britischen Bomberflotte, Marschall Arthur Harris, hatte befohlen, Hamburg als Vergeltung für deutsche Luftangriffe auf britische Städte während des Zweiten Weltkriegs zu zerstören. Es gab sieben Luftangriffe in zehn Tagen - die bis dahin schwersten Luftbombardements der Geschichte.

Allein beim verheerendsten Angriff der Royal Air Force auf die östlichen Stadtteile starben 30.000 Hamburger in der Nacht zum 28. Juli. Ganze Straßenzüge in Rothenburgsort, Hammerbrook und Borgfelde wurden ausradiert. Bedingt durch eine ungewöhnlich heiße Wetterlage erreichte der Feuersturm Orkanstärke. Am 28. Juli stand eine sieben Kilometer hohe Rauchsäule über Hamburg. 900.000 Menschen flohen aus der Stadt.

Kranz am Mahnmal St. Nikolai niedergelegt

Vor der Gedenkfeier war am Mahnmal St. Nikolai ein Kranz niedergelegt worden. Am vergangenen Donnerstag wurde dort auch eine Ausstellung eröffnet, die über den Einsatz von KZ-Häftlingen nach den Bombardierungen informiert. Unter Lebensgefahr mussten die Häftlinge Trümmer räumen, Leichen bergen und Blindgänger suchen. Hunderte von KZ-Häftlingen kamen bei diesen Einsätzen und den Luftangriffen ums Leben. Die Ausstellung im Mahnmal ist bis zum 29. September zu sehen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 22.07.2018 | 08:00 Uhr

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