Stand: 29.05.2020 13:10 Uhr  - NDR 90,3

G20-Prozess: Ex-Polizist gesteht Bierdosenwurf

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Der Angeklagte gestand, eine Bierdose geworfen zu haben. Er habe aber niemanden treffen wollen.

Der Prozess gegen einen ehemaligen Münchner Polizisten, der beim G20-Gipfel 2017 in Hamburg gemeinsam mit einer Bekannten bei einer Demo Bierdosen auf Kolleginnen und Kollegen geworfen haben soll, hat am Freitag begonnen. Dem 38 Jahre alten Angeklagten und seiner 31 Jahre alten Bekannten wird versuchte gefährliche Körperverletzung und tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte vorgeworfen. Der Angeklagte gestand vor dem Amtsgericht Altona, am 6. Juli 2017 am Rande der "Welcome-to-hell"-Demonstration eine Bierdose von einer Brücke geworfen zu haben. Er bestritt jedoch, dass er damit Polizeikollegen verletzen wollte.

Richter: "Das war eine Scheiß-Aktion"

Der Richter brachte es umgangsspachlich auf den Punkt. "Um es mal ganz deutlich zu sagen: Das war eine Scheiß-Aktion", sagte er am Ende des ersten Prozesstages. Der Angeklagte nickte. Aber war es auch eine versuchte gefährliche Körperverletzung, wie der Staatsanwalt meinte? Das versucht das Gericht mithilfe von Polizeivideos herauszufinden. Auf denen ist zu sehen, wie der 38-Jährige und seine mitangeklagte Freundin bei den G20-Protesten Bierdosen von einer Brücke herunterwerfen. Die prallen hinter einer Gruppe Polizisten auf dem Boden auf. Verletzt wurde durch die Würfe niemand.

Wut wegen Polizeieinsatz

Er habe sich die Demonstration am St.-Pauli-Fischmarkt von einer Brücke aus ansehen wollen, sagte der Angeklagte, der sich damals zu einem privaten Besuch in der Hansestadt aufhielt. Den Polizeieinsatz habe er als komplett unbegründet und unverhältnismäßig wahrgenommen, erklärte der 38-Jährige. Seine Bekannte und Mitangeklagte ließ über ihre Anwältin mitteilen, sie sei "schockiert und wütend" über den Polizeieinsatz gewesen. Auch sie habe niemanden verletzten wollen.

Zu der Demonstration unter dem Motto "Welcome to Hell" hatten sich rund 12.000 Menschen versammelten. Die Polizei stoppte den Abmarsch vom Fischmarkt, weil sich nach ihren Angaben mehrere Tausend Teilnehmer vermummt hatten. Als die Beamten versuchten, die Vermummten abzutrennen, sei die Lage eskaliert, erklärte die Polizeiführung später vor einem Ausschuss der Bürgerschaft.

Urteil für Mitte Juni erwartet

Münchner Polizeibeamte sollen später ihren Kollegen auf einem Polizeivideo erkannt haben. Der Angeklagte arbeitet inzwischen nicht mehr als Polizist, sondern studiert Medizin. Das Urteil könnte am 10. Juni verkündet werden.

Erster Versuch abgebrochen

Das Verfahren sollte eigentlich vor einer Woche beginnen, war jedoch coronabedingt abgesetzt worden. Hintergrund war, dass mehrere Medienvertreter wegen der Infektionsgefahr aus Platzmangel nicht in den Gerichtssaal gelassen werden konnten - obwohl es zuvor andere Absprachen gegeben hatte.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 29.05.2020 | 13:00 Uhr

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