Stand: 07.07.2017 17:00 Uhr

G20: Gegenseitige Vorwürfe nach Gewalteskalation

Nach den massiven Ausschreitungen am Vorabend des G20-Gipfels in Hamburg hat es am Freitag gegenseitige Schuldzuweisungen gegeben. Während die Polizei den Einsatz in der Nähe des Fischmarktes rechtfertigte, machten die Organisatoren den Einsatzkräften schwere Vorwürfe und forderten Konsequenzen.

Eskalation mit Ansage - zahlreiche Verletzte

Am Donnerstag war die Lage bei der "Welcome to Hell"-Demonstration eskaliert. Die Polizei stürmte in den Demonstrationszug, nachdem die Kundgebung zunächst friedlich begonnen hatte. Sie setzte wiederholt Wasserwerfer und Pfefferspray ein. Die Polizei meldete 160 verletzte Beamte. 45 Menschen seien festgenommen und 12 in Gewahrsam genommen worden. Auch zahlreiche Demonstranten wurden laut Veranstalter verletzt - einige von ihnen schwer. Genaue Zahlen sind noch nicht bekannt.

Meyer verteidigt Vorgehen der Polizei

Polizeipräsident Ralf Meyer verteidigte den Einsatz bei der "Welcome to Hell"-Demonstration. Er sei sich "absolut sicher", dass der Einsatz verhältnismäßig gewesen sei. Man habe 45 Minuten lang versucht, die Demo zu ermöglichen, doch der "schwarze Block" sei nicht bereit gewesen, die Vermummung abzulegen. "Vermummung dient zur Vorbereitung von Straftaten", betonte Meyer. Man habe nichts anderes machen können, als den "schwarzen Block" von den friedlichen Demonstranten zu trennen. "Es geht darum, eine freie Versammlung zu realisieren für die, die sich nicht vermummen."

Kritik am Polizeieinsatz

Die Organisatoren warfen der Polizei dagegen ein unverhältnismäßiges Vorgehen vor: Noch während man Teilnehmer aufgefordert habe, ihre Vermummung abzulegen, sei die Polizei bereits massiv gegen Protestierende vorgegangen. Mehrere NDR Reporter hatten vor Ort übereinstimmend berichtet, dass von den Demonstranten zunächst keine Gewalt ausgegangen sei. Die Polizei ihrerseits sprach von einer "hochaggressiven Stimmung" unter den Demonstranten und verteidigte den Einsatz. Das Verhalten sei "alternativlos" angesichts einer drohenden "unbeherrschbaren Situation" gewesen, sagte Pressesprecher Zill. Er selbst wurde am Rande der Demonstration angegriffen. "Wir haben gesehen, mit welchem Gewaltpotenzial wir es zu tun haben", so Zill.

Tote in Kauf genommen: Rücktritte gefordert

Vertreter der eskalierten Demonstration forderten den Rücktritt von Bürgermeister Olaf Scholz und Innensenator Andy Grote (beide SPD). Bei der gewaltsamen Auflösung des Protestzugs habe die Polizei Tote in Kauf genommen, sagte Christoph Kleine von der G20-Plattform am Freitag. "Natürlich müssten aus diesen Vorkommnissen personelle Konsequenzen gezogen werden." Kleine nannte dabei auch Polizeieinsatzleiter Hartmut Dudde. Was geschehen sei, sei ein Verbrechen. "Wer da war, hat gesehen, dass von diesem autonomen Block überhaupt nichts ausging", sagte Andreas Beuth, Anwalt des linksautonomen Kulturzentrums Rote Flora. Mit Blick auf die anschließenden Krawalle in mehreren Stadtteilen mit zerstörten Scheiben und brennenden Autos sagte Beuth: "Das musste der Polizei klar sein, dass marodierende Kleingruppen durch die Stadt ziehen und anfangen die Stadt zu zerlegen. Wie kann man so blöd sein, die Demonstration so zentral anzugreifen?"

Innensenator Grote "erschrocken" über Gewalt

Trotz der anhaltenden gewaltsamen Proteste ist die Situation nach Worten von Innensenator Grote (SPD) unter Kontrolle. "Die Polizei wird mit dieser Lage hier zurechtkommen", sagte der 49-Jährige am Freitagmittag. Er sei allerdings erschrocken über die "radikale, sinnlose und blindwütige Gewalt".

Scholz und Merkel verurteilen Krawalle scharf

Bürgermeister Scholz verurteilte die Randale scharf. "Hochaggressive, gewalttätige Straftäter bringen Sicherheitskräfte in Bedrängnis und fordern unsere offene Gesellschaft in einer Weise heraus, die für niemanden akzeptabel sein kann", sagte der SPD-Politiker am Freitag. "Die Brandstiftungen und die verübten Gewalttaten sind gefährlich - die Täter nehmen sehr bewusst in Kauf, dass dabei Menschen zu Schaden kommen." Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisierte die gewaltsamen Proteste. Diese gefährdeten Menschenleben und seien "nicht zu akzeptieren".

Alle Entwicklungen zum Gipfel in Hamburg gibt es rund um die Uhr in unserem G20-Liveblog.

Bildergalerie: Blockaden, Brände, Politik

03:23
Weitere Informationen

G20: Heftige Krawalle - Polizei räumt Viertel

Rund um den G20-Gipfel ist es in Hamburg erneut zu heftigen Krawallen gekommen. Die Polizei setzte Spezialkräfte gegen Randalierer ein. Mittlerweile scheint die Lage unter Kontrolle. mehr

24 Bilder

Vortag des Gipfels: Krawall, Yoga und Staatschefs

Yoga an der Alster, die "Welcome to Hell"-Demonstration und die Ankunft der Staats- und Regierungschefs in Hamburg. Bilder vom Tag vor dem eigentlichen G20-Gipfel. Bildergalerie

G20-Sperrungen: So kommen Sie durch Hamburg

Während des G20-Gipfels müssen Hamburger und Pendler mit Einschränkungen im Straßenverkehr rechnen. Wo es aktuell Staus und Sperrungen gibt, erfahren Sie hier. mehr

G20-Gipfel in Hamburg: Alle Infos

Was ist die G20? Warum findet das Gipfeltreffen in Hamburg statt? Welche Demos und welche Sperrungen gibt es? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum G20-Gipfel. mehr

G20-Gipfel in Hamburg

Der G20-Gipfel 2017 fand am 7. und 8. Juli in Hamburg statt. Im Dossier finden Sie News, Videos, Bilderstrecken und Reaktionen auf das zu Ende gegangene Gipfeltreffen. mehr

Link

Der G20-Gipfel bei tagesschau.de

Was passierte beim G20-Gipfel auf der politischen Bühne? Um welche Themen es in Hamburg ging, beleuchtet auch tagesschau.de auf einer Sonderseite. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 07.07.2017 | 17:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

03:04

Letzter Wahlkampftag in Hamburg

23.09.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal
02:05

Gestohlene Fahrräder: Eigentümer gesucht

23.09.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal
02:49

20 Jahre Beratungsstelle Aladin

23.09.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal