Stand: 20.06.2018 16:47 Uhr

G20: Bewährungsstrafe für Laser-Attacke

Im Prozess um einen Laserpointer-Angriff auf einen Polizeihubschrauber während des G20-Gipfels in Hamburg ist der Angeklagte am Mittwoch zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Der 27-jährige gebürtige Greifswalder hat sich nach Überzeugung des Amtsgerichts Hamburg-Altona des versuchten gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr sowie der versuchten Körperverletzung schuldig gemacht.

Der Mann hatte laut Urteil am 6. Juli 2017 mehrere Stöße eines grünen Laserlichts aus dem Fenster einer Dachgeschosswohnung in Richtung des Polizeihubschraubers abgegeben, der in etwa 400 Metern Höhe über Altona kreiste. Die Richterin sagte, der Angeklagte habe in Kauf genommen, dass Pilot und Co-Pilot geblendet werden.

Die Piloten seien aber nicht wie behauptet vom Laser im Auge getroffen worden. Außerdem hatte ein Sachverständiger die Behauptung widerlegt, der Hubschrauber sei mehr als 90 Meter abgesackt.

Verteidigung forderte Freispruch

Die Verteidigung hatte auf einen Freispruch plädiert. Sie kündigte an, wahrscheinlich in Revision zu gehen. "Wir gehen weiterhin davon aus, dass der Angeklagte nicht der Täter ist", sagte der Anwalt des 27-Jährigen. Er erwäge zudem, den Piloten wegen Falschaussage anzuzeigen. Schon in ihrem Plädoyer hatte die Verteidigung die Angaben des Piloten als "erstunken und erlogen" bezeichnet.

Bereits zu Beginn des Prozesses hatte die Verteidigung schwere Vorwürfe gegen die Ermittlungsbehörden erhoben. Die Staatsanwaltschaft und die Sonderkommission "Schwarzer Block" der Hamburger Polizei hätten versucht, den Angeklagten zu Unrecht in einen Zusammenhang mit den gewaltsamen Auseinandersetzungen während des G20-Gipfels zu bringen.

Angeklagter äußerte sich im Prozess nicht

Der Angeklagte hatte sich während des Prozesses nicht geäußert, jedoch in einer ersten Vernehmung nach dem Vorfall angeben, "mit dem Lasergerät Figuren in den Nachthimmel gezeichnet" zu haben. Diese Aussage wertete das Gericht als Schutzbehauptung. Es sei "ausgeschlossen, dass der Angeklagte den Hubschrauber nicht bemerkt habe".

Zugunsten des Angeklagten wertete das Gericht, dass es aufgrund der ursprünglichen Anklage wegen versuchten Mordes zu einer erheblichen Vorverurteilung des Beschuldigten gekommen sei. Der Vater einer vierjährigen Tochter hatte deswegen bereits rund fünf Monate in Untersuchungshaft gesessen.

19 Tage hat das Amtsgericht über den Fall verhandelt. Viel länger, als es bei einer solchen Anklage üblich sei, sagte die Richterin. Dafür seien in der Zeit viele andere Prozesse liegen geblieben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 20.06.2018 | 16:00 Uhr

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