Erinnerung an NS-Opfer: 6.000. Stolperstein in Hamburg verlegt

Stand: 28.06.2021 16:57 Uhr

Der Künstler Gunter Demnig hat am Montag den 6.000. Stolperstein in Hamburg verlegt. Die neuen Gedenksteine sollen an Chung Ying und zwölf weitere chinesische Opfer des Nationalsozialismus im ehemaligen Chinesenviertel im Stadtteil St. Pauli erinnern.

"6.000 Stolpersteine in der Stadt, das heißt 6.000 Mal Konfrontation mit einer Vergangenheit, für die wir Verantwortung zu übernehmen haben", sagte Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD). Die Geschichte des ehemaligen Chinesenviertels sei wenig bekannt. "Diese Geschichte ist Mahnung, miteinander die Regeln und Rahmenbedingungen zu setzen, die es uns möglich macht, in Vielfalt friedlich und freiheitlich miteinander zu leben."

"Geschichte muss uns eine Lehre sein"

"Die deutsche Aufarbeitung der Geschichte und die Haltung Deutschlands gegenüber den Opfern des Nationalsozialismus werden von Menschen auf der ganzen Welt hoch geschätzt", sagte der chinesische Generalkonsul Du Xiaohui. Zu einem bewussten Umgang mit der Vergangenheit gehöre, andere Werte und Kultur zu respektieren. "Geschichte ist uns Mahnung. Sie muss uns eine Lehre sein." Er erinnerte daran, dass die Gedenktafel in der Schmuckstraße im vergangenen Jahr verschmutzt wurde. Nach seiner Rede wurden die Namen der 13 Opfer verlesen und Blumen an die Stolpersteine gelegt.

Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus

Seit 2002 erinnern in Hamburg Stolpersteine an Menschen, die Opfer des Nationalsozialismus wurden. Die Steine, die auf der Oberseite kleine Messingplatten mit den Namen der Opfer tragen, werden vor deren einstigen Wohnungen im Straßen- oder Gehwegpflaster verlegt.

Patenschaft für Gedenksteine möglich

"Ohne die Paten, die der Stadt Hamburg das größte dezentrale Kunstdenkmal geschenkt haben, wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen", sagte Peter Hess, Initiator der Stolpersteine in Hamburg. Für 120 Euro können Interessierte eine Patenschaft für einen Gedenkstein übernehmen. "Solange es Paten gibt, die eine Patenschaft übernehmen möchten, läuft die Aktion weiter", so Hess. Besonders beeindruckt habe ihn in all den Jahren die Begegnung mit Angehörigen, die oftmals zur Verlegung der Steine nach Hamburg kamen.

Das 1996 gestartete Projekt ist mit mehr als 75.000 Steinen in 1265 deutschen Kommunen und in 24 Staaten Europas seit Jahren das größte dezentrale Mahnmal der Welt.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 28.06.2021 | 13:00 Uhr

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