Stand: 10.01.2019 01:00 Uhr

Ein Blockchain-Zentrum für Hamburg

von Jennifer Lange, NDR Info Wirtschaftsredaktion

Blockchain - das heißt übersetzt so viel wie Datenblock-Kette. Manche sagen, es sei die neue Zukunfts-Technologie. Sie werde unsere Wirtschaftswelt grundlegend verändern - wie zuletzt das Internet. Hamburg hängt bei der neuen Technologie noch hinterher. Aber das soll sich ändern. In der Hafencity wird nun der Blockchance-Campus zunächst provisorisch bezogen, ehe er im August feierlich eröffnet werden soll. Hier sollen junge Firmen aus der Branche zusammensitzen, ihr Wissen austauschen und weitergeben.

Bild vergrößern
Fabian Friedrich ist Initiator des Blockchance-Campus in Hamburg.

Fabian Friedrich, der Initiator des Blockchance-Campus, läuft durch die noch leeren Büroräume. Hier sollen sie sitzen, die Programmierer und Kreativen, zwischen Tischkicker und Tischtennisplatte: "Da gibt es schon ein paar von diesen gemütlichen Ecken mit schönen Tapeten und alten Stühlen", sagt er und zeigt auf holzverkleidete Sitzecken. Der Unternehmer wird mit seiner Firma Skyfi selbst in das Gebäude einziehen. Der Informatiker hat schon viel gemacht. Ein Hip-Hop-Label gegründet, eine Marketing-Agentur, veganes Catering. Jetzt also Blockchain. Warum? "Weil man seine Daten in der heutigen Zeit nicht unbedingt einer Bank oder Facebook anvertrauen möchte“, sagt Friedrich.

Mehr Datensicherheit durch Dezentralität

Die Blockchain ist eine Datenbank - dezentral, auf vielen Rechnern gespeichert. Das Prinzip lässt sich mit der Buchhaltung vergleichen. Täglich werden alle Überweisungen auf ein Blatt Papier geschrieben. Das wird abends in einen großen Ordner geheftet. Das Blatt Papier wäre ein Datenblock, der Ordner die Blockchain. Die Daten liegen aber nicht nur bei einer Person, sondern bei allen Teilnehmern. Das hat den Vorteil, dass Informationen nachträglich nicht mehr verändert werden können, ohne dass es die anderen merken. Das soll Sicherheit bringen.

Eine Art Basistechnologie

Bild vergrößern
Blockchain-Experte Lennart Ante meint, dass die Technologie bald zum Standard wird.

Lennart Ante, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Hamburg und Mitbegründer des Blockchain Research Lab, forscht seit einigen Jahren zu diesem Thema. Er glaubt, dass Blockchain eine Art Basis-Technologie darstellen wird, die bleibt: "Bestenfalls nutzen wir das alle in fünf bis zehn Jahren im Hintergrund, ohne uns wirklich damit auskennen zu müssen. Wer versteht heute, wenn er eine Internetseite aufruft, was das 'https://www' bedeutet? Nur die Experten - aber jeder nutzt es."

Banken oder Notare könnten überflüssig werden

Die Blockchain könnte in Zukunft vieles ersetzen: zum Beispiel Notare, Banken oder Messenger-Dienste, sagt Fabian Friedrich. Die Technik ist auch notwendig, weil immer mehr vernetzt funktionieren soll: "Damit jede Ampel mit jedem Auto, mit jeder Elektrotanksäule kommunizieren kann, braucht man Blockchain. Das Auto der Zukunft hat eine digitale Geldbörse - ein sogenanntes Wallet - und die Tanksäule hat auch ein Wallet, und dann handelt das Auto den Strompreis mit der Tanksäule automatisch aus. Das wird ganz spannend."

Technik birgt auch Risiken

Neben vielen Vorteilen berge die Technik aber auch Risiken, sagt Wissenschaftler Ante. Wenn die digitale Geldbörse gestohlen wird, dann ist das Geld weg. Und Daten können nachträglich nicht mehr verändert werden: "Das heißt, wenn wir das 'Recht auf Vergessen' und die Blockchain miteinander kombinieren, bekommen wir ein Problem. Denn wenn irgendetwas erst einmal in der Blockchain steht, dann ist es drin - für immer."

Hintergrund

Was ist eigentlich eine Blockchain?

NDR.de gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Blockchain-Technologie. mehr

Viele Unternehmen zeigen Interesse

Trotzdem prüft fast jedes DAX-Unternehmen gerade, wie es die neue Technologie nutzen kann, auch die Hamburger Hochbahn, Airbus, Beiersdorf oder Maersk. Die Hansestadt will im internationalen Wettbewerb bestehen: "Hamburg soll der Heimathafen für digitale Innovationen werden", erklärt Carsten Ovens (CDU) aus der Hamburgischen Bürgerschaft. Er sieht den neuen Blockchance-Campus als wichtigen Baustein auf diesem Weg.

"Hamburg hat noch Aufhol-Potenzial"

Die Stadt fördert die Blockchain-Forschung an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften und der Universität Hamburg. Zudem hat die Bürgerschaft beschlossen, dieses Jahr eine Blockchain-Messe zu fördern: "Hamburg hat noch sehr viel Aufhol-Potenzial. Von daher hilft es nicht zu kleckern. Wir müssen hier klotzen", sagt Ovens. Dem stimmt auch Sebastian Saxe zu, Digital Officer der Hamburger Wirtschaftsbehörde: "Die Stadt ist sehr interessiert, digitale Technologien zu fördern. Und für Hamburg bedeutet das natürlich die Chance, ein Leuchtturmprojekt für die Stadt aufzusetzen." Derzeit liegt Berlin noch weit vorn. Aber Hamburg hat das Rennen aufgenommen.

tagesschau-Video
Link

#kurzerklärt: Was ist eine Blockchain?

Manche meinen: Die Blockchain-Technologie könnte unsere Welt verändern - mehr noch als das Internet. Aber was ist eine Blockchain? Das Tagesschau-Team erklärt es anschaulich. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Wirtschaft | 10.01.2019 | 07:41 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

03:27
Hamburg Journal
02:26
Hamburg Journal
02:58
Hamburg Journal