Stand: 17.11.2019 17:53 Uhr

Drei Schwestern räumen Hamburg auf

Die beiden Schwestern Hannah und Marie halten die Stadt durch das Beseitigen von Müll sauberer. © NDR Foto: Screenshot
Zwei Schwestern sammeln in Hamburg Müll. Hier in St. Pauli füllen sich die Eimer der beiden Aufräumerinnen schnell.

Es hat schon etwas von einer Schatzsuche, wenn Hannah und Marie durch die Stadt gehen. Denn auch wenn man meint, dass Hamburg so sauber ist: Finden können die Schwestern immer etwas. "Was ist das? Ganz schön schwer. Eine Batterie? Man weiß es nicht", sagt Hannah Pippert und wirft das blaugrüne Etwas in ihren Blecheimer. Dann zieht sie einen Teebeutel aus dem Gebüsch. "Ui, echt verrückt", kommentiert sie, auch der Teebeutel wandert in den Eimer. Die beiden Schwestern haben eine fixe Idee zur täglichen Aufgaben gemacht.

Unter dem Müll findet sich Spannendes

"Buffallo Bill, ein Comic", sagt Marie Pippert und blättert in einem zerfetzen Heftchen, sie liest ihrer Schwester einige Zeilen daraus vor. "Man findet auf jeden Fall immer sehr spannende Sachen", sagt sie. "Das Witzigste, was ich bisher gefunden habe, war eine Dreadlock, eine abgetrennte Dreadlock, die lag da so rum im Park, die war mit eingeflochtenen Muttern und irgendwelchen Schrauben. Es wird auf jeden Fall nie langweilig."

Die Eimer sind nach 15 Minuten voll

Und nach nur 15 Minuten sind ihre Eimer voll. "Der Müll wird gar nicht so wahr genommen, das gehört so dazu. Und Faulheit auf jeden Fall auch und man fühlt sich nicht in der Verantwortung", sagt Hannah Pippert. "Alle wollen immer eine schöne Wohnung haben, einen schönen Balkon oder Garten, aber der öffentliche Raum wird völlig außer Acht gelassen."

Zwei volle Mülleimer. © NDR Foto: Screenshot
Nach einer Viertelstunde sind die Eimer voll. Bei ihren Aufräumaktionen finden die Schwestern immer wieder spannende Dinge.

Am Anfang war es eine Laune ihres Vaters, mit Freunden Müll zu sammeln. Mittlerweile ist es für die beiden ein Fulltime-Job. Gemeinsam mit ihrer dritten Schwester Lena haben sie eine Plattform geschaffen, über die Hannah und Marie regelmäßig sogenannte Clean-ups in Hamburg organisieren. Mitmachen kann jede und jeder. "Wir wissen, dass wir nicht die Welt retten, aber es verändert etwas in den Köpfen der Leute und deshalb können wir ein bisschen auf die Problematik aufmerksam machen und das verändert ja auch schon was. Und das finden wir ganz schön zu sehen, dass man sieht, dass die Leute dadurch ihr Verhalten verändern und ihren Konsum", sagt Marie Pippert.

Vor der eigenen Haustür anfangen

Nach dem Motto: Statt immer darüber zu reden, dass man etwas tun muss, einfach mal anfangen. Vor der Haustür. Und gemeinsam Müll sammeln kann auch ja Spaß machen. Zumindest kommen immer mehr Leute zum Mitmachen. Oder unterstützen sie auf andere Weise. "Viele fragen dann auch: Macht ihr das freiwillig? Bekommt ihr Geld dafür?", sagt Hannah Pippert und Marie ergänzt: "Was habt ihr verbrochen?" Beide lachen. "Ja, das wurden wir auch schon gefragt", sagt Hannah. "Ob wir Sozialhilfestunden ableisten müssen. Nein, wir kriegen da sehr gutes Feedback."

Firmenevents in Planung

"Das Thema ist ja auch super aktuell und jeder will in dem Bereich irgendwas machen und denkt sich dann: Ok, ein Mal im Monat eine Stunde ein bisschen mithelfen, kann jeder", sagt Hannah Pippert. An Ideen fehlt es ihnen nicht. Als nächstes wollen sie Firmenevents organisieren - zum Beispiel zur Teambildung. Am Sonntag fand aber erstmal wieder ein Clean-up statt. Dieses Mal in der Neustadt.

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 16.11.2019 | 19:30 Uhr

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