Stand: 14.05.2020 13:04 Uhr

Tschentschers Appell: "Bleiben Sie diszipliniert!"

Peter Tschentscher | Bild: Ronald Sawatzki/Senatskanzlei Hamburg © Ronald Sawatzki/Senatskanzlei Hamburg Foto: Ronald Sawatzki
Peter Tschentscher: Kinos und Theater sollen wohl bald wieder öffnen können, die Fitnessstudios bleiben dagegen wahrscheinlich noch länger zu.

Kann man sich zum Kartenspielen wieder in der Kneipe treffen? Warum sind die Kinos noch nicht wieder auf? Und: Wie steht es um die Meinungsfreiheit, wenn man zu Corona eine abweichende Meinung hat? Das waren Fragen an den Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). Eine Stunde lang stand Hamburgs Regierungsschef am NDR 90,3 Telefon Rede und Antwort.

Tschentscher machte den Hamburgerinnen und Hamburgern Hoffnung, dass Kinos und Theater in absehbarer Zeit wieder öffnen könnten. Eine Hörerin wollte von ihm wissen, warum Fußball gespielt werden dürfe, aber kein Kinobesuch möglich sei. Tschentscher erklärte, dass es beim Fußball nur Geisterspiele ohne Zuschauer gebe. Für Kinos und Theater werde man aber möglicherweise gute Lösungen finden: "Ein Kino kann ja ganz gezielt die Sitzplätze vergeben. Man könnte darauf achten, dass zwischen den vergebenen Sitzplätzen Abstände eingehalten werden." Noch sei die Frage der Öffnung von Kinos und Theatern zurückgestellt, aber die Verwaltung mache dazu einen Plan. Auch für den Konzertbetrieb werde nach Lösungen gesucht. Grundsätzlich, so der Hamburger Regierungsschef, sei es wichtig, immer schrittweise vorzugehen, um hinterher besser schauen zu können, woran es lag, wenn die Infektionszahlen wieder hochgehen.

Peter Tschentscher © picture alliance / dpa Foto: Daniel Bockwoldt
AUDIO: Peter Tschentscher beantwortet Fragen bei NDR 90,3 (24 Min)

Fitnessstudios bleiben zu

Keine Hoffnung machte Tschentscher einer sportbegeisterten Frau, die nach der Öffnung von Fitnessstudios fragte. Der Bürgermeister verriet, dass er auch gerne ins Fitnessstudio geht. Leider sei es aber so, dass diese in vielerlei Hinsicht Risiken bergen: viele Menschen in geschlossenen Räumen, und auch die Atemaktivität sei wegen der Anstrengung hoch. Wenn man eine Öffnung zulasse, dann sei dies nur mit großem Abstand und weiteren Auflagen denkbar. Letztlich müsse man erst mal sehen, wie sich die jetzt gerade beschlossenen Lockerungen auswirkten, so Tschentscher.

Kartenspielen in der Kneipe mit Einschränkung möglich

Auch zu den wieder geöffneten Gaststätten gab es eine Hörerfrage: Kann man sich jetzt wieder zum Kartenspielen in der Kneipe treffen? Wenn sich zwei Paare in der Kneipe zum Kartenspielen treffen, dann sei das nach den beschlossenen Lockerungen für die Gastronomie möglich, antwortete Tschentscher. Wenn sich aber vier Einzelpersonen träfen, dann ginge das nicht. Als Grund dafür nannte der Bürgermeister die notwendige Möglichkeit der Rückverfolgung bei einer Infektion: "Wir wollen schnell zurückverfolgen, wer Kontaktperson war."

Zwei Menschen gehen mit Maske durch eine Stadt. © picture alliance / Geisler-Fotopress Foto: Christoph Hardt
Gesichtsmasken werden nach Ansicht Tschentschers beim Einkauf und in öffentlichen Verkehrsmitteln noch länger nötig sein.
Stoffmasken werden länger bleiben

Auch die Stoffmasken beschäftigen die NDR 90,3 Hörerinnen und Hörer. Denn zunächst seien sie als überflüssig bezeichnet worden, nun aber seien sie beim Einkaufen und in Bussen und U-Bahnen Pflicht. Tschentscher meinte dazu, dass man am Anfang noch wenig über das Coronavirus wusste. Dass die Wissenschaftler inzwischen aber überwiegend der Meinung seien, dass Gesichtsmasken etwas bringen, wenn der Abstand nicht eingehalten werden könne. Unter freiem Himmel sei das Tragen der Masken nicht zwingend. Aber beim Einkauf und in öffentlichen Verkehrsmitteln werden sie nach Einschätzung des Bürgermeisters noch länger nötig sein. Tschentscher warb dafür, sich weiter an die Distanzvorgaben zu halten: "Das Virus kann jederzeit wieder Fahrt aufnehmen, wenn wir unvorsichtig werden. Und dann müssten wir wieder weitergehende Beschränkungen machen. Und deswegen wäre es sehr gut, wenn die Disziplin, die wir in Hamburg haben, anhält, damit wir weitere Lockerungsschritte machen können."

Schwerer Einbruch bei Steuereinnahmen erwartet

Der Hamburger Bürgerneister wurde auch gefragt, ob die bisherigen Lockerungen nicht schon zu weit gegangen seien und ob Wirtschaftsinteressen Vorrang hätten. Er sehe das nicht so, sagte Tschentscher bei NDR 90,3. Es seien ja anfangs alle Läden geschlossen worden und viele Betriebe hätten deshalb wochenlang um ihre Existenz bangen müssen. Deshalb sei jetzt, da die Maßnahmen wirkten, eine Lockerung wichtig. Denn, so Tschentscher, es gehe auch um Arbeitsplätze und wirtschaftliche Grundlagen. Für die öffentlichen Kassen sieht er schwere Zeiten wegen Corona voraus: "Wir werden einen ganz schweren Einbruch der Steuereinnahmen haben. Und das ist nicht nur irgendwie Geld, sondern davon finanzieren wir die ganzen öffentlichen Aufgaben, unsere Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen, die Kitas, die Schulen."

Meinungsvielfalt muss sein

Ein Hörer sorgte sich auch um die Meinungsfreiheit und kritisierte, dass Menschen, die Kritik an den Schutzmaßnahmen wegen Corona äußern, zu schnell in einen Topf mit Verschwörungstheoretikern geworfen würden. Jeder könne seine Kritik äußern, sagte Tschentscher dazu. Wichtig sei aber, dass er als Politiker dann auch seine Strategie erklären könne: "Als Politiker müssen wir für andere Entscheidungen treffen. Deshalb ist die Vielfalt in der öffentlichen Meinung wichtig."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 14.05.2020 | 09:00 Uhr

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