Eine Tierpflegerin versorgt Katzen im Tierheim in der Süderstraße in Hamburg. © picture alliance, dpa Foto: Christian Charisius

Corona: Mehr Wildtiere landen im Hamburger Tierheim

Stand: 25.12.2020 10:32 Uhr

Rund 10.000 Tiere hat das Hamburger Tierheim in diesem Jahr aufgenommen - etwa 300 mehr als im Vorjahr. Vor allem die Zahl der aufgenommenen Wildtiere ist gestiegen.

Das Eingangsschild des Tierheims Süderstraße in Hamburg-Hamm. © Jessica Schlage
Das Hamburger Tierheim hat in diesem Jahr rund 10.000 neue Tiere aufgenommen.

6.080 wilde Tiere wie Füchse, Krähen, Eulen, Igel, Schwäne und Steinmarder seien ins Hamburger Tierheim gebracht worden, sagte Sprecher Sven Fraaß. Das seien 522 mehr gewesen als 2019. "Das ist einerseits darauf zurückzuführen, dass auch durch die Lockdowns und die damit verbundene Ruhe vor allem im Frühjahr mehr Wildtiere die Stadt eroberten - und dann auch teilweise verunglücken." Gleichzeitig sei es aber auch ein Großstadtphänomen, dass gerade junge - vermeintlich verwaiste - Wildtiere voreilig eingesammelt und ins Tierheim gebracht würden. "Da hilft auch die Aufklärung unsererseits offenbar nicht."

Mehr Tiere werden offenbar übers Internet vermittelt

Bei den "Klassikern" abgegebener Tiere wie Hunden (867 Tiere in 2020) und Katzen (1.402) seien die Zahlen im Vorjahresvergleich erneut leicht gesunken. Ein Grund dafür könnte laut Fraaß die Chippflicht für Hunde sein, meint Fraaß. Ein weiterer die zunehmende Vermittlung von Tieren über das Internet.

Das sei Fluch und Segen zugleich: Zum einen würden seitdem verstärkt Tiere über das Internet gekauft. Gleichzeitig aber bekämen Menschen ihre "überschüssigen" Tiere so auch schneller wieder vermittelt. "Weil der Internethandel häufiger und schneller erfolgreich war, war der Gang zu uns also nicht nötig", sagte Fraaß dazu.

Mehr Tiere ausgesetzt, weniger vermittelt

Er geht davon aus, dass sich im Corona-Jahr 2020 mehr Menschen ein Haustier angeschafft haben - davon zeugten die verstärkten Aussetzungen. So waren in diesem Jahr 1.530 mutmaßlich ausgesetzte Fundtiere nicht wieder abgeholt worden. Im Jahr zuvor waren es gut 270 weniger. "Da liegt die Vermutung schon nahe, dass es Tiere sind, die aus Corona-Langeweile und -Einsamkeit übers Internet gekauft - und dann ausgesetzt wurden, weil die Zeit plötzlich fehlte oder die Arbeit doch zu viel wurde, die Anschaffung also nicht durchdacht war." Wegen der Corona-bedingt strengen Termin-Vergabe für Interessenten und weil das Tierheim "niemandem in einer Corona-Laune" ein Tier vermittelt, konnten in diesem Jahr nicht so viele Tiere vermittelt werden wie sonst üblich, sagte Fraaß weiter.

Eine Boa aus dem Niendorfer Gehege

Unter den 2020 aufgenommenen Tieren waren auch wieder viele exotische und außergewöhnliche Tiere. So wurden Echsen, ein Stachelschwanzwaran, bunte Madagaskar-Taggeckos, 17 Schlangen - darunter eine Boa constrictor, die im Oktober im Niendorfer Gehege gefunden wurde - eine Pfauendame sowie Pferde, Ziegen, Schafe und viele bunte Papageien zeitweise im Tierheim versorgt. Zudem warten noch eine Riesenkrabbenspinne, eine Vogelspinne und ein Skorpion auf ein neues Zuhause.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 25.12.2020 | 10:00 Uhr

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