Stand: 20.03.2019 17:13 Uhr

City-Hof darf abgerissen werden

Die unter Denkmalschutz stehenden City-Hochhäuser in der Nähe des Hamburger Hauptbahnhofs werden abgerissen. Die Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen hat den Abbruch der Gebäude aus den 1950er-Jahren genehmigt. Das teilte die Behörde am Mittwoch in Hamburg mit.

Die City Hochhäuse in Hamburg

Abriss der City-Hochhäuser genehmigt

Hamburg Journal -

Die Stadtentwicklungsbehörde hat die Genehmigung erteilt: die City-Hochhäuser können abgerissen werden. Ein Investor will dort Wohnungen, Büros, eine Kita und Läden bauen.

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ICOMOS bedauert, aber sieht keine Gefahr

Monatelang hatte sich die Entscheidung hingezogen. Am Ende stand die Frage im Raum, ob ein Abriss des City-Hofes den Welterbestatus von Speicherstadt und Kontorhausviertel gefährdet. Dafür war extra eine Expertenkommission von ICOMOS International, dem Beratergremium der UNESCO, nach Hamburg gekommen. Jetzt teilten Baubehörde und die Kulturbehörde mit: ICOMOS bedauere in seinem Abschlussbericht zwar einen möglichen Abriss des Ensembles im Sinne des Denkmalschutzes, stelle jedoch keine Gefährdung des Welterbestatus fest.

Der City-Hof: Früher und heute

"Entscheidung nicht leicht gemacht"

"Ich begrüße diese Entscheidung, die zu einer städtebaulichen Weiterentwicklung mit einem erheblichen Anteil an neuen Wohnungen und zu einer weiteren Belebung der Innenstadt führen wird", teilte Bausenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) mit. Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, hieß es von Kultursenator Carsten Brosda (SPD). "Es wird weiter unsere Aufgabe sein, mit hoher Sensibilität die kommenden Entwicklungen zu begleiten." Dabei werde man in engem Austausch mit der UNESCO und ICOMOS bleiben.

Neubau soll 2023 fertig sein

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So sieht der geplante Neubau aus, der die Hochhäuser aus den 1950er-Jahren ersetzen soll.

Die vorbereitenden Maßnahmen für den Abriss haben bereits begonnen. Im Mai sollen die Abbrucharbeiten starten, die etwa ein Jahr dauern. Ein Investor will auf dem Gelände Wohnungen, Büros, eine Kita und Läden in einem Gebäude mit rötlicher Backstein-Fassade bauen. Nach dem aktuellen Zeitplan soll im Herbst 2020 die Grundsteinlegung erfolgen. Die Fertigstellung ist für 2023 geplant.

Gegen die Pläne gibt es seit Längerem Protest. Die Kritiker befürchten, der Neubau könnte Sichtachsen versperren und somit den "universellen Wert" des Weltkulturerbes Kontorhausviertel und Speicherstadt beeinträchtigen.

Kritik vom Denkmalverein

Der City-Hof

Der City-Hof ist einer der markantesten Nachkriegsbauten in Hamburg. Die vier Türme, auch City-Hochhäuser genannt, wurden von 1956 bis 1958 erbaut. Die Pläne stammen von dem Hamburger Architekten Rudolf Klophaus (1885-1957). Der City-Hof galt bei seiner Fertigstellung als moderner Bau: Es waren die ersten Hochhäuser in der Innenstadt nach 1945. Sie stehen seit 2013 unter Denkmalschutz. Der Stadt gehört das Grundstück seit 2006.

"Mit der Abrissgenehmigung will der Senat Fakten schaffen, bevor der Wahlkampf beginnt", sagte Kristina Sassenscheidt vom Denkmalverein Hamburg. Bis jetzt habe die UNESCO jedoch nur erklärt, dass ein Abriss des City-Hofs keine Gefährdung des Welterbestatus darstellt. "Sie hat aber nicht der geplanten Neubebauung zugestimmt, die nachgewiesenermaßen wichtige Sichtachsen und Durchblicke zum Welterbe verbauen würde", kritisierte Sassenscheidt.

Marco Alexander Hosemann von der Initiative City-Hof sagte NDR.de: "Die Entscheidung hinsichtlich der Entwicklung des Standortes darf nicht allein auf Grundlage der Frage getroffen werden, welche Folgen der Abriss des City-Hofs für die Welterbestätte hätte. Ich bin mir sicher, dass die UNESCO dem Neubau in seinen aktuell geplanten Ausmaßen keine Zustimmung geben wird."

Opposition spricht von "Trauerspiel für den Denkmalschutz"

Auch die Opposition in der Hamburger Bürgerschaft kritisierte die Entscheidung. "Die überstürzte Entscheidung des Senats zum Abriss der City-Höfe ist ein Trauerspiel für den Denkmalschutz und die politische Kultur in Hamburg", sagte Dietrich Wersich, kulturpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. Für Heike Sudmann von den Linken bleibe der Senat seiner Linie treu, den City-Hof um jeden Preis abzureißen. Der Denkmalschutz werde mit Füßen getreten. Nach Ansicht der FDP setzt sich der Senat mit seiner Entscheidung über große Bedenken aus der gesamten Fachwelt hinweg.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 20.03.2019 | 17:00 Uhr

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