Stand: 25.09.2018 13:12 Uhr

Brand-Attacke: Verletzte außer Lebensgefahr

Nach einem Brandanschlag auf Mitarbeiter des Bezirksamts Altona in Hamburg sind eines der Opfer und der Täter nicht mehr in akuter Lebensgefahr. Das teilte eine Sprecherin der Hamburger Polizei am Dienstag mit. Ein 50-jähriger Behördenmitarbeiter war am Montag bei der Attacke eines psychisch Kranken im Stadtteil Eißendorf gestorben. Der 28-Jährige hatte zwei Behördenmitarbeiter, seinen Betreuer und sich selbst mit brennbarer Flüssigkeit übergossen und angezündet. Die Männer waren gekommen, um den Kranken in eine psychiatrische Klinik zu bringen.

Auch der Täter außer Lebensgefahr

Der 59-jährige Behördenmitarbeiter konnte die Flammen in der Wohnung unter der Dusche löschen, dann rettete er sich ins Freie. Mittlerweile schwebt er nicht mehr in Lebensgefahr. Sein 50 Jahre alter Kollege, der sich noch die brennende Jacke ausziehen konnte, erlag auf dem Rasen vor dem Haus seinen schweren Verletzungen. Auch der psychisch kranke 28 Jährige ist inzwischen außer Lebensgefahr. Er hatte sich nach der Tat in der Küche eingeschlossen und war aus dem Fenster im dritten Stock des Mehrfamilienhauses in der Weusthoffstraße gesprungen, als die Wohnung in Flammen stand. Dabei zog er sich Trümmerbrüche und eine Lungenquetschung zu.

Sein 58-jähriger Betreuer, der die Zwangseinweisung verfügt hatte, wurde als Einziger nur leicht verletzt. Der psychisch kranke 28-Jährige sollte in eine geschlossene Einrichtung, da sich sein Gesundheitszustand zuletzt verschlechtert hatte, er offenbar seine Medikamente nicht mehr regelmäßig nahm und in der Wohnung zu verwahrlosen drohte.

Hamburg geht speziellen Weg

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) zeigte sich nach der tödlichen Attacke erschüttert und sprach den Angehörigen sein Mitgefühl und Beileid aus. "Wir werden erst mal mit den Kolleginnen und Kollegen über diese Situation sprechen und ihnen psychologische Unterstützung anbieten", sagte Altonas Bezirksamtschefin Liane Melzer (SPD) im Gespräch mit NDR 90,3. Außerdem seien Gespräche mit der Innen- und der Gesundheitsbehörde darüber geplant, inwieweit das Verfahren nach diesem "fürchterlichen Unglück" verändern werden müsse. In Hamburg werden psychisch Kranke vom sogenannten Zuführdienst in Krankenhäuser gebracht. In anderen Bundesländern übernehmen das Polizei und Feuerwehr. Von speziell geschulten Beamten in Zivil abgeholt zu werden, sei für die Kranken aber wesentlich angenehmer, sagte Melzer. Der Bezirk Altona koordiniert diesen Dienst für ganz Hamburg.

Die beiden Beamten, die den 28-Jährigen am Montag abholen wollten, galten als sehr erfahren. Mitarbeiter des Zuführdienstes sind speziell ausgebildet, sichern sich aber auch mit Polizisten ab, wenn sie davon ausgehen, dass Patienten gefährlich werden könnten. In diesem Fall, so heißt es bei den Behörden, habe keiner mit einer solchen Tat gerechnet.

28-Jähriger den Behörden bekannt

Der 28-Jährige ist den Behörden bereits bekannt, seit er im Jahr 2014 unter gerichtliche Betreuung gestellt wurde. Zuvor hatte er sich freiwillig in einer psychiatrischen Klinik behandeln lassen. Er lebte anschließend in einer betreuten Einrichtung in Winsen und zog in diesem Jahr schließlich zu seinem Vater in die Wohnung in der Weusthoffstraße. Als gefährlich galt er nicht. Wegen sozialer Ängste lebte er aber extrem isoliert.

Weitere Informationen

Tödlicher Angriff auf Bezirksamtsmitarbeiter

Nach der tödlichen Attacke auf Behördenmitarbeiter ermittelt nun die Hamburger Mordkommission. Ein psychisch Kranker hatte die Beamten mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 25.09.2018 | 12:00 Uhr

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