Der Joseph-Carlebach-Platz, ehemals Bornplatz, im Hamburger Grindelviertel. © NDR Foto: Tina Zemmrich

Bornplatz-Synagoge: Kritik aus Israel an geplantem Wiederaufbau

Stand: 22.02.2021 19:24 Uhr

Die Diskussion über den geplanten Wiederaufbau der Bornplatz-Synagoge im Hamburger Grindelviertel geht weiter. Jetzt gibt es prominente Kritik aus Israel an dem Vorhaben.

45 Historikerinnen und Historiker, Künstlerinnen und Künstler sowie Bürgerinnen und Bürger aus Israel - viele mit Wurzeln in Hamburg - haben sich in einer gemeinsamen Erklärung gegen den Wiederaufbau des Gotteshauses im Grindelviertel gewandt. Sie setzen sich für den Erhalt des 1988 entstandenen Bodenmosaiks ein, das den Standort des von den Nationalsozialisten zerstören Gebäudes markiert.

Die Kritikerinnen und Kritiker, darunter der ehemalige Botschafter Israels in Deutschland, Avi Primor, befürchten, dass eine Bebauung des Platzes auch den Gedenkort an den Holocaust zerstören würde. Philipp Stricharz, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Hamburgs, hält die Kritik aus Israel für akademisch und abgehoben. Er glaubt, sie gehe an der Realität in Hamburg und den Bedürfnissen der Gemeinde vorbei. Das Bodenmosaik trage nicht zum Nachdenken über den Verlust bei, sondern sei einfach ein leerer Platz. Dem widerspricht Moshe Zimmermann, der Initiator der Kritik, deutlich. Er findet die Argumente von Stricharz pietätlos.

Wiederaufbau von Bürgerschaft beschlossen

Im vergangenen Jahr hatte die Hamburgische Bürgerschaft den Wiederaufbau der Bornplatz-Synagoge beschlossen. Dieser soll auch mit einer Beteiligung in Höhe von 65 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt unterstützt werden. Die Bürgerschaft will mit dem Neubau die Sichtbarkeit des jüdischen Lebens in Hamburg stärken. Offene Fragen unter anderem zur architektonischen Gestaltung soll ab Spätsommer eine vom Bund bezuschusste Machbarkeitsstudie klären.

Einst größte norddeutsche Synagoge

Das jüdische Gotteshaus war 1906 fertiggestellt worden und galt mit Platz für mehr als 1.000 Besucherinnen und Besuchern als die größte Synagoge Norddeutschlands. Im Zuge der Pogrome des 9. November 1938 wurde sie von NS-Anhängern verwüstet und schwer beschädigt. 1939 ließ die Stadt sie abreißen. Heute erinnert nur der Grundriss des Gebäudes auf dem leeren Platz an die ehemalige Synagoge. Der einstige Bornplatz heißt heute Joseph-Carlebach-Platz nach dem Hamburger Rabbiner Joseph Carlebach (1883-1942).

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 22.02.2021 | 17:00 Uhr

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