Stand: 10.01.2019 18:10 Uhr

Amt lenkt ein: "Lemonaid" darf Limo bleiben

Kehrtwende in der Hamburger Limonaden-Posse: Der Hamburger Hersteller Lemonaid darf sein Bio-Zitronen-Getränk nun doch weiterhin mit einem niedrigeren Zuckergehalt von sechs Prozent anbieten. Das Bezirksamt Hamburg-Mitte hatte die Firma Lemonaid aufgefordert, ihre Limonade nicht mehr Limonade zu nennen, weil sie zu wenig Zucker habe.

"Lebensmittel mit wenig Zucker sollten nicht bestraft werden"

Jetzt macht das Amt einen Rückzieher: Die Gesundheitsbehörde teilte am Donnerstag mit, dass das Bezirksamt das Produkt vorerst nicht beanstanden werde, obwohl die Lebensmittel-Leitsätze für Limonaden einen Zuckergehalt von mindestens sieben Prozent vorsehen. Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) will sich nun auf Bundesebene dafür einsetzen, dass die Vorgaben überprüft werden: "Lebensmittel mit wenig Zucker sollten nicht bestraft werden, sondern der Normalfall sein." Der Ball liegt nun bei der Kommission, die das Deutsche Lebensmittelbuch schreibt.

Lemonaid ist seit zehn Jahren auf dem Markt. Das Start-up aus dem Stadtteil St. Pauli will "trinkend die Welt verändern", mischt seine Limonaden aus biologisch angebauten Zutaten und hat mit mehr als drei Millionen Euro Entwicklungsprojekte in den Anbauländern gefördert. Weil Lemonaid kein großer und professioneller Konzern ist, hatte in der Startphase wohl auch niemand im Unternehmen die Leitsätze des Deutschen Lebensmittelbuches über Limonaden gelesen. Dort ist nämlich der Zucker-Mindestgehalt von sieben Prozent festgeschrieben. Das Lebensmittelbuch ist kein Gesetz, aber die Akteure im Markt halten sich in der Regel daran.

Regelverstoß blieb zehn Jahre lang unbemerkt

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Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) will sich nun auf Bundesebene dafür einsetzen, dass die Vorgaben überprüft werden

Zehn Jahre blieb der Regelverstoß von Lemonaid unbemerkt, und die Szene-Limonade wurde immer erfolgreicher. Dann trat das Fachamt Verbraucherschutz des Bezirksamtes Hamburg-Mitte auf den Plan. "Lemonaid" dürfe nicht weiter Limonade heißen oder müsse den Zuckergehalt erhöhen, teilte das Amt dem Unternehmen mit. Das reagierte empört. Schließlich hatte Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) gerade erst verkündet, sie wolle auf weniger Zucker, Salz und Fett in Lebensmitteln hinarbeiten.

Nachdem der Konflikt öffentlich wurde, ging in den sozialen Medien Hohn und Spott auf das Bezirksamt nieder, das mehr Zucker in der Limonade fordert.

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 10.01.2019 | 19:30 Uhr

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