Ab jetzt gilt in Hamburg an vielen Orten 2G-Plus

Stand: 10.01.2022 18:11 Uhr

Wegen immer neuer Rekordwerte bei den Corona-Zahlen und der mittlerweile offenbar vorherrschenden Omikron-Variante gilt ab sofort in Hamburg ein stark ausgeweitetes 2G-Plus-Modell.

Die bisherigen 2G-Regeln werden jetzt weitgehend durch 2G-Plus ersetzt. Wer doppelt gegen Corona geimpft oder von dem Virus genesen ist, muss nun in vielen Bereichen zusätzlich einen tagesaktuellen negativen Test vorlegen. Dies gilt für die Gastronomie, also in Bars und Restaurants, für Kultureinrichtungen wie Theater und Kinos, für den Sport in Innenräumen, Stadtrundfahrten und Hafenrundfahrten, die meisten Dienstleistungen der Körperpflege, Prostitution, Spielbanken und Seniorentreffpunkten. Ungeimpfte haben dort generell keinen Zutritt mehr. Menschen mit Booster-Impfung sind von der Testpflicht ausgenommen.

Geisterspiele für den HSV und den FC St. Pauli

Überregionale Großveranstaltungen im Profisport müssen nun auch in Hamburg wegen Corona als Geisterspiele abgehalten werden. Damit müssen ab sofort auch der HSV und der FC St. Pauli ohne Zuschauer und Zuschauerinnen auskommen. Ebenfalls betroffen sind die Basketball- und Handball-Erstligisten Hamburg Towers und HSV Hamburg. Im Amateurbereich dürfen Sportveranstaltungen im Freien künftig nur noch vor höchstens 1.000 Zuschauern und Zuschauerinnen stattfinden. In Sporthallen soll eine Obergrenze von 200 Zuschauenden gelten. Die ausführlichen Regeln finden Sie hier.

Die neue Regelung gilt laut Senat zunächst für vier Wochen. Im Hamburger Einzelhandel gilt weiterhin die 2G-Regel.

Ausnahmen bei der Testpflicht

Von der Testpflicht ausgenommen sind diejenigen, die schon eine Auffrischungsimpfung erhalten haben - und zwar schon unmittelbar nach der Booster-Imfpung. Ein Nachweis der Boosterung erfolgt über ein digitales Zertifikat, das nach der Impfung unter anderem Apotheken ausstellen. Und auch Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre sind von der Testpflicht befreit. Ab dem Alter von 16 Jahren muss dann eine vollständige Impfung oder Genesung nachgewiesen werden. Ein zusätzlicher Test ist aber nicht nötig, da alle Jugendlichen in den Schulen regelhaft zweimal pro Woche getestet werden.

Wer gilt als genesen?

Als genesen gelten diejenigen, deren positiver Corona-Befund mindestens 28 Tage her ist. Der Genesenen-Status ist dann den Angaben zufolge höchstens für sechs Monate gültig. Wer genesen ist, kann drei Monate nach Ende der Infektion eine Auffrischungsimpfung erhalten, die dann sofort nach Erhalt von der Testpflicht befreit.

VIDEO: Booster-Impfkampagne stockt in Hamburg (2 Min)

Infiziert trotz vollständiger Impfung: Kein Test-Nachweis nötig

Wer sich trotz einer vollständigen Impfserie - in der Regel zwei Impfungen - infiziert hat und genesen ist, wird den Geboosterten gleichgestellt und benötigt bei der 2G-Plus-Regelung keinen zusätzlichen Test-Nachweis. Ohne eine tatsächliche Auffrischungsimpfung gilt dies für Betroffene höchstens für die Dauer von sechs Monaten.

Bei Johnson & Johnson nur zwei Impfungen

Wer sich mit dem nur einmal zu verabreichenden Vakzin von Johnson & Johnson hat impfen lassen, benötigt künftig möglichst nach vier Wochen nur eine weitere Impfung mit einem mRNA-Impfstoff, um von der Testpflicht befreit zu sein.

Dehoga sieht Existenzen bedroht

Kritik kam unter anderem vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), der fürchtet, dass 2G-Plus die Existenz von Kneipen und Restaurants bedrohen wird. Dehoga-Vizepräsident Niklaus Kaiser von Rosenburg sagte: "Leider bestätigt sich für uns, was wir bereits befürchtet haben: 2G-Plus führt zu einem weiteren Einbruch bei Gäste-Buchungen. Restaurants stehen vor der Frage, ob sie schließen sollen und riskieren, dass sie weiter Mitarbeiter verlieren oder versuchen, bei großen Verlusten offenzuhalten."

Auch Theater vor Problemen

Und auch die Theater sehen neue Probleme auf sich zukommen. Ohnsorg-Intendant Michael Lang fürchtet, das nun weitere Menschen davon abgehalten würden ins Theater zu gehen. Einige Häuser wollen Konsequenzen ziehen. Das St. Pauli Theater werde ab der kommenden Woche den Betrieb bis Februar teilweise runterfahren, sagte Thomas Collien, einer der beiden Theaterchefs. "Es wird immer schwieriger, das ist klar. Irgendwann muss man auch einsehen: Wenn die Darsteller und die Mitwirkenden mehr sind als die Zuschauer, muss man auch mal sagen, es macht so keinen Sinn", sagte Collien im Gespräch mit NDR 90,3.

Kritik kam auch aus der Opposition im Hamburger Rathaus. Die AfD sieht 2G-Plus als Sackgasse. Die CDU übt Kritik am nach wie vor schleppende Boostern. Die neuen Einschränkungen gingen deshalb auch aufs Konto des rot-grünen Senats.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 10.01.2022 | 17:00 Uhr

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