Stand: 28.02.2019 06:00 Uhr

900 Kilo Kokain geschmuggelt: Lkw-Fahrer verdächtigt

Am Anfang der Ermittlungen steht eine Ladung Thunfisch: Zwischen Paletten mit Fischkonserven aus Ecuador entdeckten Zollfahnder im Hamburger Hafen im Juni 2018 mehrere Blöcke mit Kokain, insgesamt 63 Kilogramm. Schnell fiel der Verdacht auf einen Lastwagenfahrer aus Norddeutschland, der sich für den Container auffällig stark interessiert hatte. Die Ermittler begannen daraufhin, das Telefon des Mannes zu überwachen und beschatteten ihn.

Nur wenige Monate später, im September 2018, fanden Hamburger Zöllner in einem Container mit getrockneten Zitronen aus Brasilien mehrere Sporttaschen, gefüllt mit Kokain: Gesamtgewicht über 650 Kilogramm. Offenbar ebenfalls eine Lieferung, die der nun verdächtige Fahrer aus dem Hafen schaffen sollte. Die Ermittlungen zeigten, dass der Lkw-Fahrer offenbar versuchte, eben jenen Container mit seinem Sattelschlepper abzuholen - erfolglos, weil die Ladung noch nicht bereit gewesen war.

Motiv des Lkw-Fahrers: Geld für Hausbau benötigt

Und noch etwas ermittelten die Fahnder: Der Mann brauchte offenbar dringend Geld, da er ein Haus bauen wollte. Sie vermuteten deshalb, dass er wieder versuchen würde, Kokain aus dem Hafen zu schaffen. Im November 2018 hatte er sich, so die Sicht der Fahnder, mit Hilfe einer falschen Ausweis-Karte als ein anderer Lkw-Fahrer ausgegeben und einen Container aus dem Terminal Altenwerder abgeholt. Auf dem Parkplatz einer Logistikfirma stellte er die Fracht ab und fuhr weg, die Ermittler schlugen zu. In dem Container fanden sie zwischen Kaffee aus Brasilien insgesamt sechs Jutesäcke mit 210 Kilogramm Kokain.

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Der Mann wird zunehmend nervös - und setzt sich ab

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Auch in Sporttaschen fanden Zollfahnder Kokain, das der Lkw-Fahrer aus dem Hafen geschmuggelt haben soll. (Themenbild)

Die Zollfahnder beschlossen, den Mann zunächst weiter zu beobachten. Offenbar wurde er zunehmend nervös. Am 8. November 2018 gelang dem Landeskriminalamt Hamburg in einem anderen Verfahren ein spektakulärer Erfolg. Im Hamburger Stadtteil Rothenburgsort beschlagnahmten die Polizisten rund eine Tonne Kokain und nahmen anschließend elf Personen fest, darunter den "Hells Angel" Martin P., der die Gruppe angeführt haben soll.

Der nun Beschuldigte ergriff daraufhin die Flucht und setzte sich in die Türkei ab. Denn aus Ermittlerkreisen heißt es, er habe zum Umfeld der Täter Kontakt gehabt. Laut Haftbefehl, den Reporter des NDR einsehen konnten, geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass der Mann "in die Organisation internationaler Rauschgiftgeschäfte eingebunden" ist.

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Bei Rückkehr wird er verhaftet

Als der Lastwagenfahrer im Januar 2019 nach Hamburg zurückkehrte, verhafteten ihn die Fahnder. Seither sitzt er wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft, eine Aussage lehnt er bislang offenbar ab. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Beihilfe zum unerlaubten Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vor. Insgesamt rund 900 Kilogramm Kokain soll er versucht haben, aus dem Hafen zu bringen, im "Großhandel" hätte die Ware, die offenbar für den deutschen Markt bestimmt war, etwa 30 Millionen Euro eingebracht. Der Straßenverkaufswert liegt deutlich höher.

Die Fahnder glauben belegen zu können, dass der Lkw-Fahrer durchaus wusste, was er da aus dem Hafen transportieren sollte. Dennoch halten sie es für unwahrscheinlich, dass er das Kokain in Südamerika selbst bestellt hat. Dafür habe ihm schlichtweg das Geld gefehlt, heißt es.

Transport aus dem Hafen größte Herausforderung beim Schmuggel

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Lkw-Fahrer sind für internationale Drogenbanden sehr wichtig, sagt René Matschke von der Hamburger Zollfahndung.

Personen, die sich frei im Hafen bewegen, auch noch mit einem Lastwagen, seien für internationale Kokainbanden sehr wertvoll, sagt der Chef der Zollfahndung Hamburg, René Matschke. "Der Schmuggel aus Südamerika und der Verkauf auf der Straße sind relativ leicht, verglichen mit der Herausforderung, die Drogen erst einmal aus dem Hafen zu bekommen", sagt Matschke. Häufig erhielten entsprechende Helfer für ihre Dienste mehrere 10.000 Euro pro Fahrt. In anderen Fällen greifen die Täter auf trickreiche Verfahren zurück, um an den Stoff zu gelangen.

Der Anwalt des Verdächtigen wollte sich zu den Vorwürfen auf Anfrage nicht äußern. Wann der Prozess gegen den Mann eröffnet werden kann, steht derzeit noch nicht fest. Die Ermittlungen zu mutmaßlichen Hintermännern sind komplex, sie dauern weiter an.

Anmerkung: Der Vorname des Verdächtigen wurde am aus dem Artikel entfernt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 28.02.2019 | 06:38 Uhr

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