80. Jahrestag: Gedenken an Deportation von Juden aus Hamburg

Stand: 25.10.2021 20:37 Uhr

Zum 80. Jahrestag der ersten Deportationen norddeutscher Jüdinnen und Juden durch die Nationalsozialisten von Hamburg aus in Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager hat die Hansestadt der Opfer gedacht.

"Wer für eine offene Gesellschaft eintreten will, der muss der damaligen Opfer und ihres unvorstellbaren Leids gedenken. Das ist die Grundlage dafür, dass sich die Aussage 'Nie wieder Faschismus!' mit Leben füllt", sagte Kultursenator Carsten Brosda (SPD) am Montag laut Mitteilung bei der Veranstaltung am Gedenkort Hannoverscher Bahnhof in der Hafencity.

Über 6.600 jüdische Menschen von Hamburg aus deportiert

Am 25. Oktober 1941 war der erste Zug mit 1.035 jüdischen Frauen, Männern und Kindern aus Hamburg in das Ghetto Litzmannstadt gefahren. Im November und Dezember folgten weitere Deportationen nach Minsk und Riga. Bis 1945 wurden den Angaben zufolge mehr als 6.600 Jüdinnen und Juden aus Norddeutschland von Hamburg aus deportiert. Nur wenige von ihnen überlebten. Schon im Mai 1940 hatten die Nazis mit der Deportation von Sinti und Roma begonnen.

Brosda: "NS-Verbrechen mit menschlichem Maß nicht zu erfassen"

David Rubinstein (v.l.n.r.), Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Hamburg, Carsten Brosda (SPD), Senator für Kultur und Medien, Oliver von Wrochem, Leiter KZ-Gedenkstätte Neuengamme, und Galina Jarkova, Vorsitzende der Liberalen Jüdischen Gemeinde, laufen zur offiziellen Kranzniederlegung am Gedenkort Hannoverscher Bahnhof. © picture alliance/dpa Foto: Jonas Walzberg
David Rubinstein, Carsten Brosda, Oliver von Wrochem und Galina Jarkova (v.l.n.r.) auf dem Weg zur Kranzniederlegung.

"Bis heute sind die systematischen Verbrechen des Nationalsozialismus mit menschlichem Maß nicht zu erfassen", sagte Brosda. Der Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, Oliver von Wrochem, betonte: "In Zeiten wiedererstarkender antisemitischer Gewalt ist es wichtig, am Gedenkort denk.mal Hannoverscher Bahnhof an die Schoah zu erinnern."

Rubinstein: "Judenfeindliche Verbrechen dezidierter benennen"

Ähnlich äußerte sich der Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Hamburg, David Rubinstein. "Auch in unserer Generation müssen Juden sich gegen Feindseligkeiten und Angriffe schützen, auch in Hamburg. Wir sind es denjenigen, die ermordet wurden, schuldig, hasserfüllte, judenfeindliche Verbrechen viel dezidierter zu benennen und zu bekämpfen, egal von welcher Seite sie kommen."

Jarkova: "Bauen auf gemeinsame Zukunft in Hamburg"

Die erste Vorsitzende der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hamburg, Galina Jarkova, sagte, ihre Gemeinde unterstütze das Engagement Hamburgs, ein vielfältiges und aktives jüdisches Leben zu fördern. "Mit unserer Teilnahme wollen wir ein wichtiges Zeichen setzen und zeigen, dass wir die Hoffnung haben und auf eine gemeinsame Zukunft in Hamburg bauen, denn Hamburg ist unser Zuhause."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Hamburg Journal | 25.10.2021 | 19:30 Uhr

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