Stand: 20.09.2019 19:42 Uhr

70.000 Menschen beim Klimastreik in Hamburg

Hamburg war am Freitag einer der Hauptschauplätze des dritten globalen Klimastreiks der "Fridays-for-Future"-Bewegung: In der Innenstadt demonstrierten nach Polizeiangaben etwa 70.000 Menschen für mehr Klimaschutz. Die Veranstalter sprachen sogar von 100.000 Demonstranten. Die Zahl überstieg bei weitem die Erwartungen: Im Vorfeld war mit bis zu 30.000 gerechnet worden.

Mädchen auf den Schultern ihres Vaters mit Schild

Großdemo: 70.000 Menschen treten in Klimastreik

Hamburg Journal -

Weltweit haben am Freitag Millionen Menschen für den Klimaschutz demonstriert, in Hamburg zogen mehr als 70.000 Teilnehmer durch die Innenstadt - die größte Demo seit Jahrzehnten.

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Demo wird von vielen Seiten unterstützt

Dem Aufruf der Organisatoren unter dem Motto "Alle fürs Klima" waren diesmal nicht nur Schüler und Studenten gefolgt. Auch viele Eltern und Berufstätige reihten sich in den Protestzug ein. Einzelne Hamburger Firmen und Verlage gaben ihren Mitarbeitern für die Demonstration frei. Auch Kirchen, Umweltverbände, Menschenrechts- und Friedensorganisationen sowie die Jugendbewegung von Gewerkschaften unterstützten die Demonstration.

Friedlicher Demonstrationszug durch die Innenstadt

Die Demonstranten hatten sich am Freitagmittag am Jungfernstieg in Bewegung gesetzt. Die Route führte durch die Mönckebergstraße, den Glockengießerwall und die Lombardsbrücke zurück zum Ausgangspunkt. Auf Plakaten waren Sprüche wie "Die Erde kocht vor Wut" oder "Opa, was ist ein Schneemann?" zu lesen. "Fridays-for-Future"-Mitglieder forderten die Politik auf, wirksame Maßnahmen zur Begrenzung der Erderwärmung zu ergreifen. Die Polizei sprach von einem absolut friedlichen Verlauf des Protestzugs.

Hamburg im Griff der Klimademonstranten

Unter den Rednern der Kundgebung war auch der Klimaforscher Mojib Latif. "Macht weiter so, hört nicht auf", rief er den Kundgebungsteilnehmern zu. Musikalisch stimmten Henning May, Sänger der Gruppe AnnenMayKantereit, Bosse und die Band Mia die Massen auf den Protest ein.

Noch während die Demonstration lief, gab die Regierungskoalition bekannt, dass sie sich auf ein Klimaschutzpaket geeinigt hat. Es sieht vor, den Ausstoß von klimaschädlichem CO2 über einen Handel mit Zertifikaten zu regeln. Der Schritt wird Benzin, Diesel, Heizöl und Erdgas verteuern.

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Blockadeaktion auf der Lombardsbrücke.
Blockadeaktion nach Demo-Schluss

Nach Ende der Demonstration kam es zu mehreren Straßenblockaden zumeist schwarz gekleideter Aktivisten - zuerst auf dem Stephansplatz. Dort besetzten mehrere hundert Menschen die Straßenkreuzung. Die Polizei trug die Teilnehmer einzeln von der Straße und gab diese anschließend wieder frei. Auch die Kennedybrücke war zwischenzeitlich von Aktivisten blockiert.

Lombardsbrücke länger blockiert

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Einsatzkräfte tragen einen Blockierer von der Straße.

Eine weitere Aktion auf der Lombardsbrücke lief über mehrere Stunden. Dort waren mehrere hundert Aktivisten dem Aufruf der Gruppe "Ende Gelände Hamburg" gefolgt. Die Polizei brachte einen Wasserwerfer in Stellung. Aktivisten wurden von der Straße getragen, setzten sich aber an anderer Stelle wieder hin. Am Abend gelang es Einsatzkräften schließlich, die Aktion aufzulösen.

Bereits im Vorfeld hatte die Interventionistische Linke Hamburg angekündigt, den Verkehr lahmzulegen. Der Hamburger Verfassungsschutz warnte diesbezüglich davor, dass linksextremistische Gruppen wie die Interventionistische Linke und die "Antifa Altona Ost" damit Anschluss an das bürgerliche Spektrum suchten.

Fahrrad-Demo und Andachten

Verkehrsbehinderungen waren in Hamburg noch bis in die Abendstunden auch durch eine Fahrrad-Demo zu spüren. Unter dem Motto "Das Klima braucht #Mehr Platz fürs Rad" radelten mehrere hundert Teilnehmer vom Gänsemarkt durch die Stadt. Dafür mussten Straßen gesperrt werden. Auch die Hauptkirchen St. Petri und St. Jacobi machten anlässlich der großen Demonstration in Hamburg Sonderpläne: Sie luden zu Klima-Andachten ein.

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Der Jungfernstieg war während der Klima-Demo brechend voll.
Schwänzen: Behörde bleibt hart

Schüler, die für die Demonstrationen schwänzten, riskierten auch dieses Mal Strafen wie Einträge von Fehlzeiten. "Unsere Haltung hat sich nicht geändert", sagte Schulbehördensprecher Peter Albrecht zu NDR 90,3. Die Teilnahme an einer Demonstration sei kein Unterricht. Lehrkräfte dürften das Mitmachen beim Klimastreik auch nicht als Unterricht deklarieren. Wer für "Fridays for Future" schwänze, verletze in jedem Fall die Schulpflicht. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft appellierte an die deutschen Schulbehörden und Kultusministerien, trotzdem von Strafen abzusehen. Sie sollten die Demonstration als ein von den Jugendlichen inszeniertes Lehrstück in Sachen Demokratie sehen und sich darüber freuen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 20.09.2019 | 20:00 Uhr

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