550 Millionen: Bau des Fernbahnhofs Diebsteich gestartet

Stand: 05.07.2021 21:05 Uhr

Die Deutsche Bahn hat am Montag mit dem Bau des neuen Fernbahnhofs Altona begonnen. Das 550-Millionen-Euro-Projekt am Diebsteich soll die Altonaer Gleise für den Wohnungsbau freimachen, ist aber umstritten.

Vor sieben Jahren galt es noch als Musterprojekt für Bahnhofsoptimierung und Städtebau. Allein auf dem Areal des alten Bahnhofs werden 138.000 Quadratmeter frei - das entspricht der Größe von fast 20 Fußballfeldern. Dort sollen 1.900 neue Wohnungen sowie ein Park entstehen.

Bahn verspricht: Mehr Züge, mehr Pünktlichkeit

Beim Spatenstich für den neuen Fernbahnhof Diebsteich: Bürgermeister Peter Tschentscher, Bahn-Vorstand Ronald Pofalla und der Parlamentarische Staatssekretär im Verkehrsministerium, Enak Ferlemann. © NDR Foto: Reinhard Postelt
Beim Spatenstich: Bürgermeister Peter Tschentscher, Bahn-Vorstand Ronald Pofalla und der Parlamentarische Staatssekretär im Verkehrsministerium, Enak Ferlemann.

Die bisherige S-Bahn-Station Diebsteich wird durch den Bau von sechs Fern- und zwei S-Bahngleisen zum Durchgangsbahnhof. Wenn er fertig ist, sollen dank zusätzlicher Weichen und Signale 380 Züge mehr dort halten können. Mit dem Plan verfolgt die Bahn auch ihr Ziel, bis 2030 die größten deutschen Städte im Halbstundentakt zu verbinden. Außerdem sollen die Züge pünktlicher sein, weil sie den neuen Durchgangsbahnhof schneller passieren können als den heutigen Kopfbahnhof. Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla sprach von einem "wichtigen Puzzlestück für den Deutschlandtakt".

"Die Verlegung des Bahnhofs Altona hat Auswirkungen weit über Hamburg hinaus", sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Verkehrsministerium, Enak Ferlemann. "Sie bringt Verbesserungen für Bahnreisende in ganz Deutschland."

S-Bahnhof Altona bleibt

Der unterirdische S-Bahnhof Altona soll am alten Standort bleiben, außerdem soll ein neuer und leistungsfähigerer Busbahnhof entstehen. Am neuen Bahnhof soll unter der Regie der Stadt mit zwei Gebäuden von 58 und 76 Metern Höhe Platz für Hotels und Büroräume entstehen, dazu kommt ein Parkhaus für 300 Pkw und 600 Fahrräder. "Der neue Bahnhof setzt im Hamburger Westen ein modernes und repräsentatives Zeichen für moderne Stadtentwicklung und klimafreundlichen Schienenverkehr", sagte Bürgermeister Peter Tschentscher. Die Autoreisezuganlage, die in Altona zu Hause ist, wird parallel ebenfalls verlegt, und zwar an die S-Bahn-Station Elbgaustraße im Stadtteil Eidelstedt.

Bei der Vertrags-Unterzeichnung fürs Diebsteich-Projekt im Rathaus, kurz vor Weihnachten 2014, scherzten die damaligen Entscheider Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und Bahnchef Rüdiger Grube noch. Nur 39 Millionen Euro zahlte Hamburg für 13 Hektar in bester Lage.

2027 soll der neue Bahnhof fertig sein

Doch dann stoppte das Verwaltungsgericht die schlechte Planung der Bahn. Der neue Fernbahnhof Diebsteich wird erst 2027 fertig - also vier Jahre später als angekündigt. Er soll rund 50 Prozent mehr kosten. Zudem gibt es Widerstand. Der alte Bahnhof Altona sei zentraler, meint die Initiative Prellbock Altona und spricht von einem "nicht zukunftsfähigen Projekt basierend auf Planungen aus den 90er Jahren", das "lediglich den Immobilienspekulanten und der Betonmafia" diene. Sie lud am Montag zu einem "alternativen Spatenstich zur Modernisierung des jetzigen Bahnhofs Altona" ein. Der Fahrgastverband Pro Bahn vermisst ein schlüssiges Gesamtkonzept, wie denkbare Erweiterungen des Bahnnetzes mit dem neuen Bahnhof verknüpft werden sollen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 05.07.2021 | 19:30 Uhr

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