William Youn taucht in die Musik von Schubert, Mozart und Ravel

Stand: 18.10.2023 23:52 Uhr

William Youn hat alle Klaviersonaten von Franz Schubert eingespielt. Sein Repertoire reicht aber weit über die Romantik hinaus. Bei NDR Kultur à la carte EXTRA kombiniert er Werke von Schubert mit Kompositionen von Mozart, Ravel, Chopin und Schumann und spricht über seine Verbundenheit zu Schubert.

Franz Schuberts Klaviersonaten zählen zu den größten Schätzen, die der Komponist der Nachwelt hinterlassen hat. Am 11. November 2022 erschien der dritte und letzte Teil von William Youns "Schubert Projekt". Für dieses ambitionierte Projekt hat er in seiner Wahlheimat München viel Beachtung und Anerkennung bekommen.

Schubert gehört zu den Komponisten, denen man anhört, dass ihnen nicht viel Zeit zum Komponieren blieb. Er schrieb manchmal wie im Rausch, "wie ein Schlafwandler", hat Alfred Brendel mal gesagt. William, du hast dich mit Schubert auch biografisch sehr intensiv beschäftigt - stimmt dieses Bild von ihm, oder ist das differenzierter zu sehen?

William Youn: Ich kenne wirklich keinen Komponisten, der so viel gleichzeitig geschrieben hat. Er hat zum Beispiel die späte G-Dur Sonate geschrieben, die eine Hymne zur Schönheit und zum Himmel ist. Gleichzeitig hat er die c-Moll-Sonate verfasst, die dunkel und aus Verzweiflung entstanden ist. Wie kann man solche Emotionen gleichzeitig erleben? Das ist einmalig.

Fühlst du dich dem Komponisten Schubert eigentlich auch persönlich verbunden? Gibt es Parallelen in eurem Wesen, oder eurem Charakter? Warum spricht er dich an?

Youn: Auf jeden Fall. Verliebt ist ein bisschen übertrieben, aber ich habe in den letzten Jahre wirklich versucht, die Musik, so wie er sie fühlt, zu fühlen und zu beschreiben. Ich habe das Gefühl, dass er ein großer Teil von mir geworden ist.

Der Pianist William Youn am Flügel. © Screenshot
AUDIO: William Youn spielt Schubert, Mozart und Ravel (55 Min)

William, du hast mit dem Klavierspiel im Kindergarten in deiner Heimat Südkorea angefangen. War das eine gezielte musikalische Frühförderung oder eher ein spielerisches Erlernen des Instrumentes?

Youn: Es war ein Zufall. Ich habe das Klavier zum ersten Mal gesehen und fand es total faszinierend - vor allem, was für Klänge aus dem Instrument kommen können. Von diesem Zeitpunkt an habe ich sofort gewusst, dass ich Klavier spielen will.

Hast du da auch schon mit Schubert angefangen?

Youn: Nein, das erste Stück, was ich gelernt habe, war die Nationalhymne von Korea. Wenn ich anfange zu spielen, gelingt es mir oft, dass ich einfach in die Musik eintauche. Und dann vergesse ich, was um mich herum passiert.

Das ist dir gelungen. Du bist in die Musik weg getaucht und hast uns in die musikalische Welt von Franz Schubert und Wolfgang Amadeus Mozart mitgenommen.

Das Gespräch führte Claus Röck.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | NDR Kultur à la carte | 18.10.2023 | 13:00 Uhr

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