Schauspielerin Iman Vellani als Superheldin Kamala Khan in der Disney+-Serie "Ms. Marvel" © disney +

"Ms. Marvel" & Co.: Muslimische Superheldinnen und Superhelden

Stand: 19.08.2022 00:00 Uhr

Seit Juni läuft im Streamingkanal Disney+ die Serie "Ms. Marvel". Die jugendliche Superheldin ist muslimisch. Kirsten Dietrich hat noch weitere muslimische SuperheldInnen gefunden.     

Schauspielerin Iman Vellani als Superheldin Kamala Khan in der Disney+-Serie "Ms. Marvel" © disney +
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Die Hauptfigur der Serie "Ms. Marvel" ist eine jugendliche Superheldin, die zufällig in sich Superkräfte entdeckt und lernen muss, damit zurechtzukommen - nichts Neues, könnte man sagen. Doch diese Superheldin heißt mit bürgerlichem Namen Kamala Khan und ist fest verwurzelt in der pakistanischen Community von New Jersey. Eine muslimische Superheldin also - das ist dann doch außergewöhnlich.

Kamala ist Fan von weißer Superheldin Captain Marvel

Eigentlich ist Kamala vollauf beschäftigt mit Erwachsenwerden, Schule und ihrer Leidenschaft für Comics - allen voran Captain Marvel, weiblich wie sie, aber schlank, blond, weiß, überlegen, wie Superhelden eben so sind. Klar, dass Kamala deshalb mit ihrem besten Freund Bruno zu einem Fan-Event gehen will, klar, dass sie sich dafür verkleidet.

Wie praktisch, dass Kamalas Oma aus Karachi erst kürzlich genau das Passende geschickt hat: einen alten, massiven Armreif, groß wie eine Stulpe. Kamala kramt ihn vom Dachboden. Schnell ist klar: Der Armreif hat Superkräfte. Damit wird Kamala vom Superheldenfan zur Superheldin.

Erste Liebe, die tägliche Diskriminierung als POC (People of Color) und Muslimin, das Ringen mit der so liebevollen wie einengenden Familie - der richtige Umgang mit Superkräften ist da nur eine Aufgabe unter vielen.

Ringen um Identität

Mit Superheldinnen lässt sich wunderbar unaufgeregt über Integration und die Suche nach dem gesellschaftlichen Ort für Minderheiten erzählen. Auch die weißesten Superhelden ringen mit ihrer Identität, mit dem, was sie ausmacht. Muslimische Helden fügen einfach noch eine Dimension mehr zu dieser Identitätssuche dazu.

"Dass jemand aus einer anderen Dimension Superkräfte hat, die die Menschheit retten können - das ist ein Grundkonzept aller Mythen, egal, ob es um den Propheten geht oder um Superhelden", sagt Naif Al-Mutawa. Eigentlich arbeitet er als Psychologe in Kuwait. Aber er ist auch in den USA aufgewachsen, mit der westlichen Comic-Kultur sozialisiert worden und weiß um die Kraft dieses Erzählens. Nur dass es da bisher wenig Angebote für Muslime gibt.

"The 99" - muslimisches SuperheldInnen-Universum

"Aber wenn jemand anders deine Geschichte erzählt, bist du nicht unbedingt der Held dieser Geschichte. Deswegen brauchen Heranwachsende auch Heldengeschichten, auf die sie sich beziehen können." Naif Al-Mutawa hat daher ein eigenes muslimisches Universum der Superhelden entwickelt, als Comic und als Fernsehserie: "The 99", "Die 99" - angelehnt an die 99 Namen und Attribute Allahs.

"Großzügigkeit, Gnade, Voraussicht zum Beispiel, verkörpert von Menschen aus aller Welt, männlich und weiblich", zählt Al-Mutawa einige dieser Attribute auf. "Es gibt 99 Wege, als Muslim zu leben. Da muss man nicht mal 'Muslim' sagen. Wir reden nie vom Islam in den Comics, die Superheldinnen und Superhelden repräsentieren einfach die Menschheit. Ich wollte zeigen, dass Menschen verschieden und doch auch gleich sind", so Al-Mutawa weiter.

Todesdrohungen gegen Al-Mutawa wegen Projekt "The 99"

"The 99" waren ein großer Erfolg, vor allem in der arabischen Welt. Naif Al-Mutawa hat sich aus dem Projekt trotzdem zurückgezogen: Er wurde immer wieder angeklagt, am Schluss gab es sogar Todesdrohungen. "Ich stand wegen Gotteslästerung vor Gericht - und habe gewonnen. Religionen sind immer misstrauisch gegenüber der Kunst, denn die ist offen für viele Übersetzungen. Das könnte man auch auf die heilige Schrift übertragen."

Kamalas Welt ist US-amerikanisch und muslimisch

Kamala Khan alias Ms. Marvel steckt zum Glück noch nicht in solchen Auseinandersetzungen. Ihre Welt ist bunt, emotional - und durch und durch US-amerikanisch und muslimisch. An manchem reibt sich die Superheldin, anderes stützt sie. Vor allem aber lebt sie muslimischen Alltag, vielfältig, fröhlich und ohne entschuldigende Erklärungen für andere. Vielleicht ist das die eigentliche Superkraft von Ms. Marvel.

 

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Die Kuppel des Felsendoms in Jerusalem © NDR

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