Ein Mann sitzt an einem gedeckten Tisch und betet © ANP / Phil Nijhuis Foto: Phil Nijhuis

Der Fastenmonat Ramadan in Zeiten von Corona

Stand: 16.04.2021 11:18 Uhr

Für Musliminnen und Muslime hat der Fastenmonat Ramadan begonnen. Weltweit verzichten gläubige Muslime in diesem Monat zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang auf Essen und Trinken - auch während der Pandemie.

Ein Mann sitzt an einem gedeckten Tisch und betet © ANP / Phil Nijhuis Foto: Phil Nijhuis
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von Michael Hollenbach

4.30 Uhr - Zeit für Ahmed Aydin aufzustehen. Bevor die Sonne aufgeht, frühstückt er. Der 29-jährige Germanistik-Student räumt ein, dass die Fastenzeit unter Corona-Bedingungen besonders hart ist: "Man sieht seine Freunde nicht. Man kann keine Zeit gemeinsam verbringen, damit sie schneller vergeht. Da guckt man schon öfter auf die Uhr."

Auch die 23-jährige Rana Bülbül vermisst gerade im Ramadan die Gemeinschaft: "Es ist eine Belastung. Man kann diese Atmosphäre nicht ganz spüren, man fühlt sich oft alleine. Deshalb ist es eine große Herausforderung, das Fasten durchzuziehen."

"Man macht sich Gedanken über andere Dinge"

Aymed Aydin, der auf dem Blog "Flügelwind" ein Ramadantagebuch und Gedichte veröffentlicht, sagt, er sei im Fastenmonat produktiver als sonst: "Wenn man auf die sinnlichen Genüsse verzichtet, dann macht man sich Gedanken über andere Dinge, über intellektuelle, spirituelle Dinge."

Eigentlich ist der Ramadan eine Zeit der Gemeinschaft, in der viele Musliminnen und Muslime nach Sonnenuntergang zum Iftar, zum Fastenbrechen zusammenkommen. Ahmet Aydin schwärmt vom pandemiefreien Ramadan: "Wenn nicht Corona ist, kommen wir mit Freunden zusammen, gehen gemeinsam draußen essen, da wird die Nacht zum Tag. Man trinkt seinen Tee, dann isst man Süßgebäck, das ist ein Highlight."

Ramadan: Zu Hause statt in der Moschee

Trotz Corona darf man momentan auch zum Gebet in die Moschee: mit Maske, mit Abstand und eigenem Gebetsteppich. Doch es kommen weniger als sonst; und die bleiben auch nicht so lang, erläutert die 22- jährige Bedda Topcu: "Das Gebet, was im Monat Ramadan verrichtet wird und aus 20 Einheiten besteht, wurde auf acht reduziert, damit man den längeren Aufenthalt in den Moscheen reduzieren kann."

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Nun macht man es sich zu Hause schön: "Ramadan-Mubarak", gesegneter Ramadan, mit viel Deko, Lichterketten und selbst gebastelten Ramadan-Kalendern: "Ich habe für eine Freundin einen Ramadan-Kalender mit 30 kleinen Tütchen erstellt. Sie kann jeden Tag ein Tütchen aufmachen sich über ein kleines Geschenk freuen", sagt Rana Bülbül.

Ähnlich wie beim Adventskalender gibt es jeden Tag eine kleine Überraschung - aber erst nach Sonnenuntergang. Doch dann, wenn es langsam dunkel wird, wird erst einmal gebetet. Bedda Topcu begeht das Fastenbrechen mit ihren Eltern und Geschwistern: "Mit einer Dattel, wie unser Prophet das damals gemacht hat, brechen wir das Fasten."

Und danach kommt der Hauptgang. Bei Ahmet Aydin hat seine Mutter Fischfilet mit Reis und Salat zubereitet: "Man meint immer, dass man am Abend viel essen würde, aber wenn es so weit ist und man die ganze Zeit nichts gegessen hat, ist es so, dass man dann doch gemäßigt ist, weil man schnell gefüllt ist."

Der Student der Neuen Deutschen Literatur ist im Ramadan jeden Abend stolz, wenn er wieder einen Tag geschafft hat: "Es heißt ja bei Schiller: Es ist der Geist, der sich den Körper baut. Mein Geist hat sich über den Körper erhoben: Ich entscheide. Den Stolz, es geschafft zu haben, möchte ich nicht missen wollen."

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