Stand: 22.12.2016 14:14 Uhr

Auserwählte Gottes: Maria im Koran

von Hamideh Mohagheghi

Über Maria, die Mutter von Jesus Christus, wird nicht nur in der Bibel berichtet. Auch im Koran spielt sie eine wichtige Rolle. Der Prophet Mohammed etwa würdigt Maria, auf Arabisch Maryam, als eine der wichtigsten Frauen aller Zeiten.

Maria, auf Arabisch Maryam, ist die einzige Frau, die im Koran mehrmals namentlich erwähnt wird. Sogar eine Sure wurde nach ihr benannt, und auch Jesus erscheint stets als "Sohn Marias".

Es gibt einige Erzählungen über sie im Koran: über die Geschichte ihrer Geburt, über die Jahre, in denen sie in einem Tempel aufwuchs. Mit Gottes Erlaubnis. Für die damalige Zeit war das revolutionär. Denn es war nur den Männern erlaubt, einen Tempel zu betreten. Maria aber war auserwählt von Gott und genoss seine Zuwendung in besonderer Weise.

Während ihrer ungewöhnlichen Schwangerschaft etwa wurde sie verspottet und verleumdet. In ihrer Einsamkeit und in ihrem Schmerz war Gott der einzige, der ihr Trost schenkte und einen Ausweg zeigte, wie sie mit ihrem neugeborenen Kind auf die Menschen zugehen konnte.

Marias Vertrauen auf Gott war unerschütterlich. Und dennoch schrie sie zum Himmel, als die Wehen einsetzten und sie die Geburt allein und verlassen in der Wüste überstehen musste. Anders als im Stall zu Bethlehem, wie es in der Bibel berichtet wird. Ihre Schreie nach der Hilfe Gottes ließen, so steht es im Koran, die vertrocknete Palme erblühen und frische Früchte fielen auf sie herab. Das Wasser begann zu fließen und die unbarmherzige Wüste wurde zu einer sanften und barmherzigen Wiege der Geburt.

Die "heilige" Frau schlechthin

Maria ist in der islamischen Tradition und insbesondere in den mystischen Erzählungen die "heilige" Frau schlechthin. Eine im göttlichen Sinne "reine Jungfrau" - so wie auch in der Bibel. Und die Mutter des Propheten Jesus, auf Arabisch Isa.

Die Erzählungen im Koran zeigen immer wieder, dass Maria eine Auserwählte Gottes war und auch Wunder erleben durfte. Merkmale, die eigentlich nur Propheten zugesprochen werden. Und: wichtige Hinweise darauf, dass Gott sich den Frauen zuwendet und Möglichkeiten aufzeigt, wie man gegen ihre ungerechte Behandlung vorgehen kann. Dass Maria zum Beispiel im Tempel aufwachsen durfte, war damals sicher ein Schock für die Menschen. Denn die waren überzeugt, dass Frauen sich nicht an einem heiligen Ort in der Obhut Gottes aufzuhalten hatten.

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Maria und Jesus in der Krippe © fotolia Foto: Alexander Hoffmann

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Vorbild und Zuflucht

Maryam ist auch heute noch ein beliebter Mädchenname in muslimischen Familien. Als wahrhaft gläubige und standhafte Frau ist sie für viele ein Vorbild und eine Zuflucht zugleich. Insbesondere für Frauen, die nach Halt und Trost suchen in schwierigen Lebenssituationen. Ihr Beispiel macht auch deutlich: Verleumdungen und Schmähungen gegenüber Frauen können haltlos sein, ihnen grundlos Kummer bereiten. Es wird aber auch klar: Die Barmherzigkeit Gottes umfasst alles.

Maria lebte in enger Beziehung zu Gott. Im Lichte des Glaubens und mit Vertrauen auf Gott bewältigte sie die beschwerlichen Momente ihres Lebens. Und doch ist sie der Mensch geblieben, der seinen Schmerz heraus schrie und klagte, ohne dabei den Glauben zu verlieren.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Freitagsforum | 23.12.2016 | 15:20 Uhr

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