Stand: 02.02.2020 05:48 Uhr  - NDR Kultur

Antonio Banderas: Vom "Zorro" zur Oscar-Hoffnung

von Patricia Batlle

2020 wird Antonio Banderas 60 Jahre alt - und erlebt nach einer bemerkenswerten, fast 100 Filme umfassenden Karriere in Spanien und Hollywood einen weiteren Höhenflug. Für seine bislang reifste Rolle - als alternder Regisseur in Pedro Almodóvars Film "Leid und Herrlichkeit" - wurde er mit der Goldenen Palme als bester Schauspieler in Cannes geadelt. Darauf folgte der CineMerit Award des Filmfests München, eine Golden-Globe-Nominierung und ein Goya jeweils als bester Hauptdarsteller. Nun ist er in dieser Kategorie für einen Oscar nominiert. Ein Porträt des charismatischen Spaniers.

Antonio Banderas hasst Selfies, liebt Fußball, das Theater, seine Heimatstadt Málaga, seine Familie - und vor allem das Kino. Seit 40 Jahren dreht er immer wieder mit seinem Mentor, mit Regisseur und Autor Pedro Almodóvar. Es war auf der Bühne, am Theater in Madrid, Anfang der 1980er-Jahre, als er Banderas entdeckte. Beim Plaudern im Café gab er ihm einen Rat: "Du hast ein sehr romantisches Gesicht und solltest Filme drehen."

Almodóvar und Banderas - eine langjährige Achse

Knapp zwei Wochen später schickte Almodóvar ihm ein erstes Skript. "Ich mochte es sofort, es war schräg, sehr schräg - und lustig. Ich sagte: 'Okay, ich mache es.' Das veränderte mein Leben." Der Rest ist Geschichte. Banderas hat ihm Rollen als Mörder, als Torero, als schwuler Liebhaber und als Psychopath zu verdanken, etwa in der Komödie "Frauen am Rande eines Nervenzusammenbruchs" (1988) und im Thriller "Die Haut, in der ich wohne" (2011).

Almodóvar habe das damals konservative Spanien mit seinem Werk verändert, sagt Banderas: "Pedros Filme haben die Veränderung der Gesellschaft zu mehr Offenheit ermöglicht. Sagen zu können: 'Wir sind jetzt eine Demokratie, wir müssen auch Sachen akzeptieren, die wir nicht mögen'. Das nennen wir in Spanien die Transition. Sie war nicht nur politisch, es ging es auch ums Andersdenken, um Religion, um Sexualität. Dazu hat Almodóvar enorm beigetragen."

Geglückter Sprung in den 1990er-Jahren nach Hollywood

In den 1990ern hat Antonio Banderas sich von Spanien gelöst und den Sprung nach Hollywood gewagt, wo er ganz andere - und teurere - Filme drehen konnte. "Hollywood war ein großes Abenteuer. Ich lebe ja nur einmal! Ich wollte ausprobieren, wie das ist, mit diesen Schauspielern zu arbeiten, die ich bewunderte. Das war mein Jugendtraum! Den habe ich mir erfüllt." Hier spielte er an der Seite von Tom Hanks 1993 im Aids-Drama "Philadelphia", mit Meryl Streep in der Romanverfilmung "Das Geisterhaus", mit Tom Cruise in "Interview mit einem Vampir" und sang in "Evita". Besonders bekannt ist er aber für Rollen als Pistolero (in "Desperado" und seinen Fortsetzungen) und als heimlicher Ritter in "Die Maske des Zorro".

Banderas hat eigenen Stern auf dem "Walk of Fame"

Auch am Broadway hat er gespielt, Picasso in einer Serie verkörpert und als Synchronsprecher im Kino als gestiefelter Kater in den "Shrek"-Filmen und einem eigenen Spin-off begeistert. Seit 2005 hat er einen Stern auf dem "Walk of Fame" von Hollywood, seit 2015 den spanischen Filmpreis Goya für sein Lebenswerk.

Weitere Informationen

Filmtipp: "Leid und Herrlichkeit"

In Rückblenden wird im Film "Leid und Herrlichkeit" die Geschichte des Regisseurs Salvador Mallos erzählt. Es gibt viele Parallelen zur Biografie des Regisseurs Pedro Almodóvar. mehr

Dass er den alternden Regisseur Salvador Mallo, ein Alter Ego von Pedro Almodóvar, in dessen autobiografisch gefärbtem Film "Leid und Herrlichkeit" so verwundbar spielt, hat auch persönliche Gründe: Vor gut zwei Jahren erlitt Banderas einen Herzinfarkt. Er erzählt: "Wenn du weißt, der Tod ist sicher, wird alles andere relativ. Du schätzt nur noch das, was wirklich zählt. Der Rest verschwindet. Ich brauche kein neues Auto! Ich brauche meine Tochter. Meine Freunde. Das Schauspiel. Wenn man älter wird, gilt ab einem bestimmten Moment nur noch die Wahrheit. Dieses neue Lebensgefühl ist in meine Rolle eingeflossen."

Der Spanier fördert den Theaternachwuchs in Málaga

Doch vom Langsamertreten hält Banderas nichts. Das nächste Abenteuer ist schon in Arbeit: Der Spanier fördert in Málaga den Theaternachwuchs: " Ich habe den klassisch-romantischen Weg in den Ruin gefunden: Ich habe ein Theater für 600 Studenten in Málaga gekauft. Aber es ist toll!".

Filmstill: Antonio Banderas mit Cape und Sombrero und Schwert in der Rolle des Zorro © Filmfest München 2019

Antonio Banderas: Von "Zorro" zum Palmensieger

NDR Kultur - Klassisch in den Tag -

Pistolero, Picasso, gestiefelter Kater, Zorro, schwule Lover: Antonio Banderas kann alles spielen. Mit Stammregisseur Pedro Almodóvar erlebt der 58-jährige Spanier nun einen neuen Höhenflug.

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NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 25.07.2019 | 06:20 Uhr

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