Vincenz Türpe, Sven Simon, Will Workman, Robert Brandt, Henning Sembritzki in dem Stück "Odyssee" am Theater Lübeck © Thorsten Wulff Foto: Thorsten Wulff

Was ist Heimat? Die "Odyssee" am Theater Lübeck

Stand: 19.11.2021 12:08 Uhr

Heimat - was ist das eigentlich? Das ist eine zentrale Frage in dem Stück "Odyssee" von Roland Schimmelpfennig am Theater Lübeck. Linda Ebener hat sich die Proben angesehen - Premiere ist am Freitagabend.

Regisseur Andreas Nathusius inszeniert das Stück am Theater Lübeck völlig neu. Es gibt zum Beispiel keine Hauptrollen, sondern das gesamte Ensemble spielt zusammen. Das heißt, nicht jeder Schauspieler ist auch einer einzelnen Rolle zugeordnet. Das klingt ungewöhnlich, doch auch so wird die Geschichte des Odysseus und seiner Frau Penelope verständlich erzählt.

Was hat der Mythos der Odyssee mit uns heute zu tun?

Die "Odyssee" - das Stück ist eine Überschreibung des alten Mythos. Die Frage, die sich durch das Stück zieht: Was hat der Mythos eigentlich heute noch mit uns zu tun oder was kann er uns heute erzählen? Regisseur Andreas Nathusius erzählt die Geschichte aus zwei Perspektiven: Zum einen aus Odysseus' Sicht, der gerade den Trojanischen Krieg hinter sich gebracht hat und zurück in seine Heimat reisen will. Zum anderen aus der Perspektive von Penelope, die 20 Jahre auf ihren Mann wartet und nicht weiß, ob er überhaupt zurückkommt.

Alle Schauspielenden tragen silbrig glänzende Gewänder - auch die Bühne ist futuristisch in Schwarz und Silber gehalten. Andreas Nathusius schildert das Kernthema, das er herausarbeiten möchte: "Es geht um Themen wie Flucht, Vertreibung, Heimat. Was ist Heimat, wie kann man leben, nachdem man so etwas erlebt hat? Wie ist ein Trojanischer Krieg, wie kann ein Leben für solche Menschen eigentlich auch weitergehen? In der Zyklopenszene zum Beispiel geht es darum, wie auch Teile unserer Gesellschaft auf Fremde reagieren, also wie sie sich abgrenzen - es geht um Abschottung."

Musik von Komponist Felix Huber

Diese Szene wird auch musikalisch untermalt von Komponist Felix Huber. "Der Zyklop wird bei uns als ein besorgter Bürger übersetzt, der Angst vor Migranten hat, die dann zu ihm kommen, von denen er glaubt, dass sie ihn bestehlen wollen und gegen die er sich wehren muss. Dann haben wir eben ein Lied gefunden von einem jungen Liedermacher namens Faber", berichtet Huber. "In dem Lied war zum Beispiel ein ganz klarer Bezug auf den Zyklopen und eben auch auf die Sichtweise, dass die Odyssee auch ganz viel mit Migration zu tun hat, mit Leuten, die auf dem Wasser kentern. Oder sich teilweise auf die Reise machen ohne zu wissen wo oder ob sie ankommen."

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Theater Lübeck © Olaf Malzahn

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Zwei Perspektiven - auch musikalisch

Auch musikalisch gibt es zwei Perspektiven. Auf der einen Seite die archaische, auf der anderen die moderne Welt. Felix Huber erklärt: "Für die archaische Welt nutze ich tiefe Bläser, teilweise auch Naturgeräusche. Für die moderne Welt kommen dann auch mal profane, moderne Geräusche ins Spiel, wie ein Rasensprenger zum Beispiel oder elektronische Sounds." Auf moderner Ebene sind dann zum Beispiel auch Pop-Songs zu hören. Manchmal singen die Schauspielenden selbst, manchmal wird ein Lied vom Band abgespielt.

Nathusius verzichtet auf Hauptdarsteller

Das Stück Odyssee hat noch eine Besonderheit, denn es gibt keine Hauptdarsteller. Das Ensemble spielt zusammen, das ist so von Andreas Nathusius gewollt. "Die Erzählweise, wie das Stück geschrieben ist, ist besonders, weil es keine üblichen Szenen sind. Stattdessen wird der ganze Abend von den Schauspielern erzählt und trotzdem sehr lebendig gemacht. Es stehen aber nicht nur Schauspieler auf der Bühne und reden, sondern wir versuchen das Ganze auch über Bilder und Aktionen lebendig zu machen", erklärt Nathusius seinen Ansatz. Die Männer stehen häufig zusammen - sie stellen Odysseus dar, die Frauen: Penelope. Außerdem gibt es noch die Rolle des Lehrers, mit dem Penelope eine Affäre eingeht. In die "Odyssee" muss man sich ein wenig hineinhören und -sehen. Im weiteren Verlauf werden die Handlung und die Idee dahinter eindeutiger und verständlicher.

Was ist Heimat? Die "Odyssee" am Theater Lübeck

Regisseur Andreas Nathusius inszeniert das Stück von Schimmelpfennig. Es geht um Heimat, Flucht und Vertreibung.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Theater Lübeck
Beckergrube 16
23552 Lübeck
Telefon:
(0451) 39 96 00
E-Mail:
kasse@theaterluebeck.de
Preis:
22 Euro - 38 Euro
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 19.11.2021 | 17:20 Uhr